ÖKL-Herbst-Bautagung in St. Veit an der Glan, Kärnten

Unter dem Vorsitz von MR DI Manfred Watzinger, BMLFUW, fand von 9. bis 11. Oktober die ÖKL-Herbst-Bautagung in St. Veit an der Glan in Kärnten statt. 36 ExpertInnen aus dem landwirtschaftlichen Bauwesen aus ganz Österreich nahmen an der Fachtagung teil, die aus zwei Arbeitssitzungen und einer Exkursion bestand. Mehr lesen Sie hier.

Herbst Bautagung des ÖKL in Kärnten

Unter dem Vorsitz von MR DI Manfred Watzinger, BMLFUW, fand von 9. bis 11. Oktober die ÖKL-Herbst-Bautagung in St. Veit an der Glan in Kärnten statt. 36 ExpertInnen aus dem landwirtschaftlichen Bauwesen aus ganz Österreich nahmen an der Fachtagung teil, die aus zwei Arbeitssitzungen und einer Exkursion bestand.

PROGRAMM

Vorstellung der fertiggestellte Publikationen:
Merkblatt 100 Haltung von behornten Rindern, 1. Auflage
LTS 229 Stallbau für die Biotierhaltung – Schweine, 4. Auflage, 2017
LTS 234 Stallbau für die Biotierhaltung – Schafe, 2. Auflage, 2017

Vorstellung und Besprechung der aktuellen Entwürfe:
Merkblatt 48, Liegeboxenlaufstall, 5. Auflage
Merkblatt 29, Pferdeställe, 5. Auflage
Merkblatt 24b Grünschnittkompostierung – Standard- und Kleinmengen-Anlagen, 1. Auflage
Merkblatt 34 Verkehrs- und Transportachsen, 3. Auflage
LTS 237 Stallbau für die Biotierhaltung – Legehennen, 1. Auflage
LTS 238 Stallbau für die Biotierhaltung – Mastgeflügel, 1. Auflage

Besprechung geplanter Überarbeitungen bzw. neuer Publikationen:
Merkblatt 23 Kälberhaltung, 7. Auflage
Merkblatt 68 Milchverarbeitungsräume in der Direktvermarktung, 2. Auflage
Merkblatt 76 Freilandhaltung für Rinder, 2. Auflage
Merkblatt 103 Automatische Melksysteme, 2. Auflage
Merkblatt 77 Kleine Schweineställe und Freilandhaltung, 2. Auflage
Merkblatt 79 Trinkwasserversorgung für Schweine, 2. Auflage
Merkblatt 108 Hygieneeinrichtungen bei Schweinehaltung, 1. Auflage
LTS 235 Stallbau für die Biotierhaltung – Ziegen, 2. Auflage
Merkblatt 24 Düngersammelanlagen für Wirtschaftsdünger, 8. Auflage
Merkblatt 83 Baustoffe in der Landwirtschaft – Beton, 3. Auflage
Merkblatt Lüftungssysteme im Warmstall, Zu- und Abluftführung, 1. Auflage
Merkblatt Heiz- und Kühlanlagen, 1. AuflageMerkblatt Alarmanlage und Notstromversorgung, 1. Auflage
Merkblatt Nutzungssicherheit am Hof und Barrierefreiheit

Fachvorträge:

Rinderstall: Wichtige Hinweise / Planungsschwierigkeiten
Josef Troxler, Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Tierhaltung und Tierschutz

Güllespeicher aus Stahlbeton
DI Florian Petscharnig

Bedeutung der Ergonomie für die agrarische Arbeitswelt – dargestellt am Beispiel der mobilen Hühnerställe. Physische und psychische Beanspruchung und deren Bewertung in mobilen Hühnerställen
Elisabeth Quendler, Universität für Bodenkultur, Institut für Landtechnik

Exkursionen:

  • Betriebsbesichtigung Molkereigenossenschaft Sonnenalm, Görtschitztal, Milchstraße 1
    9373 Klein St. Paul
    www.sonnenalm-milch.at

 

 

 

  • Betriebsbesichtigung Bio-Hühnermastbetrieb

 

 

 

 

 

 

  • Betriebsbesichtigung Schweinemastbetrieb

 

 

 

 

 

 

Ehrungen:

Ehrung von Univ. Prof. Dr. Josef Troxler, Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Tierhaltung und Tierschutz

Ehrung von DI Florian Petscharnig, Technisches Büro Petscharnig

 

 

 






 

 

BERICHT Feldspritzen effizient und umweltgerecht einsetzen

ÖKL Praxisseminar: Feldspritzen effizient und umweltgerecht einsetzen

Am 31. Mai fand an der BOKU-Versuchswirtschaft in Groß-Enzersdorf wieder das beliebte ÖKL-Seminar zum Thema Feldspritzeneinsatz statt. 30 Teilnehmer folgten der Einladung zu spannenden Vorträgen und praktischen Versuchen.

Wie in den Jahren 2014 und 2016 wurde das dritte ÖKL-Feldspritzen-Seminar auch heuer wieder in Zusammenarbeit mit der LK Niederösterreich an der BOKU-Versuchswirtschaft in Groß-Enzersdorf abgehalten. Wie schon zuvor war das Interesse an der Veranstaltung sehr groß. Die Teilnahme wurde im Ausmaß von 3 Stunden als Weiterbildung für den Pflanzenschutz-Sachkundeausweis von der LK Niederösterreich anerkannt. Als routinierte Referenten wurden Ing. Roman Hauer der Bildunswerkstatt Mold und Hans-Werner Heidemann der DEULA in Nienburg, Deutschland, eingeladen.

Nach der Eröffnung durch Dr. Helmut Wagentristl der BOKU startete Herr Ing. Hauer mit einem Vortrag über die wiederkehrenden Überprüfungen von in Gebrauch befindlichen Feldspritzen. Gemäß der EU Richtlinie 2009/128EG sind diese Überprüfungen verpflichtend. Seit November 2016 gelten gesetzliche Mindeststandards zur Geräteinstandhaltung. Herr Hauer umspannte daher sowohl die rechtlichen Bestimmungen, als auch die Prüfkriterien und Anforderungen an die Gerätetechnik. Allgemein wird vorausgesetzt, dass Gelenkwelle, Leitungen, Rahmen und Gestängearretierung in einwandfreiem Zustand sind. Natürlich muss auch die Pumpe dicht sein, die erforderliche Leistung für das Gerät aufweisen und konstanten Arbeitsdruck halten (max. 10% Drucksteigerung durch Pulsationen). Eine Vorrichtung zum Druckausgleich soll Über- und Unterdrücke verhindern und muss auf jedem Gerät vorhanden sein. Auch eine Behälterentleerung samt Auffangbehälter muss vorhanden und funktionstüchtig sein. Manometer müssen frostfrei gelagert werden. Im Falle von Frosteinwirkung kann es sonst zu Beschädigungen kommen. Ein schadhaftes Manometer ist daran zu erkennen, dass es in druckfreiem Zustand konstanten Druck anzeigt. Außerdem hat der Besitzer darauf zu achten, dass Schläuche und Leitungen dem maximal erreichbaren Druck (max. 10 bar) standhalten müssen. Generell gilt: Jede Armatur und jedes Aggregat, jede Vorrichtung bis hin zu den beiden Sicherungsketten am Gelenkwellenschutz, die an dem Gerät angebracht ist, muss in einwandfreiem Zustand sein und funktionieren. Bei den Überprüfungen wird das Gerät genau begutachtet! Der zuständige Kontrolleur stellt in jedem Fall einen Prüfbericht aus, der für 5 Jahre aufbewahrt werden muss. Verläuft die Überprüfung positiv, wird eine Prüfplakette auf dem Gerät angebracht. Achtung: ab 26.11.2016 dürfen prüfpflichtige Pflanzenschutzgeräte nur in Betrieb genommen werden, wenn an ihnen eine gültige Plakette angebracht ist!!! Falls Sie ein gebrauchtes Gerät kaufen wollen, achten Sie daher unbedingt auf das Vorhandensein der Plakette!

Nach einer kurzen Vorstellung der international aktiven Beraterfirma DEULA Nienburg ging der Vortragende Hans-Werner Heidemann unmittelbar zur Sicherheit beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln über. Geschickt kombinierte Herr Heidemann die aufgelockerte Stimmung im Freien mit einigen Tipps und Empfehlungen. Den Teilnehmern wurde nahegelegt, sich gut gegen Kontaminationen zu schützen! Ein direkter Kontakt zu Pflanzenschutzmitteln wird oft nicht allzu ernst genommen. Häufig wischt man den Tropfen auf der Haut weg und damit glaubt man ausreichend schnell reagiert zu haben. Die Haut ist jedoch das Organ mit der größten Oberfläche und nimmt Stoffe aus der Umwelt auf. So gelangen die Wirkstoffe, die eigentlich in verdünnter Form ein Insekt oder eine Pflanze schädigen sollen, in hohen Konzentrationen in den menschlichen Körper!

Gelangt ein Pflanzenschutzmittel auf die Kleidung, muss sie so schnell wie möglich gewechselt werden. Andernfalls hat der Wirkstoff permanent Kontakt zur Haut und wird somit aufgenommen (ÖKL).

 

Nur angemessene Schutzleidung kann ausreichend vor Kontaminationen schützen (ÖKL).

Die Folgen daraus sind oft nur schwer abzuschätzen. Durch die zeitlich versetzte Wirkung werden sie auch oft nicht mit der Kontamination in Verbindung gebracht. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel brachte Herr Heidemann anhand eines Berufskollegen. Dieser hatte auf eine Schutzbrille verzichtet und den konzentrierten Wirkstoff in die Augen bekommen. Trotz zahlreicher Operationen erblindete er! Entsprechende Schutzausrüstung ist also ungemein wichtig und unbedingt zu verwenden. Chemiebeständige Handschuhe sowie wasserabweisende Anzüge sind empfehlenswert. Auch im Inneren des Traktors sollte sich der Landwirt vor den Dämpfen schützen. Dazu werden Aktivkohlefilter im Lüftungssystem eingesetzt. Sobald der Geruch des Wirkstoffs jedoch wieder wahrnehmbar wird, sollen die Filter ausgetauscht werden. Das Ausblasen der Filter reicht nicht aus, um sie wieder zu verwenden! Aktivkohle bindet durch Ladungsunterschiede die Schadstoffe an der Oberfläche und gibt sie auch nicht mehr frei! Somit können ausgeblasene Filter keine weiteren Schadstoffmoleküle aufnehmen und zeigen keine Wirkung.

Hinsichtlich der Verteilgenauigkeit im Bestand kommt nicht nur der richtigen Düsenwahl, sondern auch der Gestängebauart erhebliche Bedeutung zu. Durch leichte Unebenheiten im Feld schwingt das Gestänge in vertikaler und horizontaler Richtung. Vertikales Nachschwingen führt unmittelbar zu Veränderungen im Überlappungsverhältnis und somit zu ungleichmäßiger Verteilung des Wirkstoffes. Horizontales Nachschwingen wird oft vom Fahrer gar nicht wahrgenommen, hat aber große Auswirkungen auf die Wirkstoffverteilung. Schwingt das Gestänge vor und zurück, so kommt es beim Richtungswechsel zum Stillstand und daher zu starker Überdosierung. Dagegen ist die Geschwindigkeit zwischen den beiden Ruhepunkten stark erhöht, was zu einer Unterdosierung führt. Die Schwankungen in der Dosierung können dabei zwischen 70 und 1300 l/ha liegen! In seinem Vortrag zeigte Herr Heidemann die Auswirkungen dieser horizontalen Bewegung anhand eines Bestandes, der mit AHL behandelt wurde. Der Bestand wies einen deutlich welligen Verlauf in der Wuchshöhe auf. Diese Über- und Unterdosierung ist auf die horizontale Bewegung des Gestänges zurückzuführen. Ähnliche Resultate kann man bei der Anwendung von Wachstumsreglern beobachten. Besonders heikel sind diese hohen Konzentrationsschwankungen jedoch bei Resistenzbildungen! Pilze wie Unkräuter weisen oft hohe Vermehrungsraten und damit auch eine hohe Anpassungsfähigkeit auf. Bei richtiger Wirkstoffwahl und Aufwandmenge kann die Ausbreitung gut kontrolliert werden. Wird die Aufwandmenge jedoch unterschritten, so kann es durch die hohe Anpassungsfähigkeit zur Resistenzbildung kommen! Ein gut gebautes Gestänge sollte daher nur geringste Schwingbewegungen in der vertikalen und horizontalen Ebene aufweisen und gut gewartet werden! Auch bei der Anfahrt kann es zu Dosierungsschwankungen kommen. Speziell bei elektronisch unterstützten Systemen ist die Kommunikation zwischen Traktor und Gerät oft verzögert. Wird die Schaltung von Teilbreiten durch Elektrostellmotoren übernommen, kann eine Nachjustierung mitunter einige Sekunden dauern. In dieser Zeit wird bereits eine Fahrstrecke zurückgelegt, auf der es zu Schwankungen der Dosierung kommen kann. In diesem Fall wäre es empfehlenswert, ein Gleichdruckregelung zu benutzen.

Zu den erheblichen Fehlerquellen, die durch den Landwirt vermieden werden können, zählt auf jeden Fall eine ordnungsgemäße Reinigung des Geräts. Erfolgt sie unsachgemäß, werden Restmengen im System in die nachfolgende Kultur mitgenommen und dort ausgebracht. Oft können sich bereits geringe Mengen eines ungeeigneten Mittels fatal auf den Bestand auswirken und ihn erheblich beschädigen. Auch Filter und Düsen können Reste von Wirkstoffen enthalten. Eine Kontrolle bzw. Reinigung ist daher unbedingt notwendig!

Die Abdrift, verursacht durch Wind und Thermik, stellt eine Herausforderung für den Landwirt und eine häufige Fehlerquelle dar. Während zwar die Benetzungsqualität bei hohem Druck durch die Bildung feiner Tropfen steigt, verschlechtert sich aber gleichzeitig das Abdriftverhalten. Jede Düse weist einen Optimaldruck zur Abdriftminimierung auf. An einem aufgebauten Prüfstand erläuterte der erfahrene Praktiker daher verschiedene Düsenbauformen und deren Spezifikationen. Während eine große Anzahl unterschiedlicher Bauformen präsentiert wurde, reichen für den Anwender normalerweise 3-4 unterschiedliche Typen aus um seinen Bedingungen gerecht zu werden. Für die richtige Dosierung am Feldrand kommen spezielle Randdüsen zum Einsatz. Sie bringen die benötigte Aufwandmenge an den Rand des Bestandes, während Normaldüsen durch ihren Spritzkegel nur eine geringere Dosierung applizieren und damit Resistenzbildung verursachen können.


Am Prüfstand wurden unterschiedliche Düsentypen getestet. Injektionsdüsen saugen neben Luft auch Staub an und verstopfen dadurch (ÖKL).


Links: Randdüsen bringen die erwünschte Wirkstoffmenge auch an Randbereichen an die Pflanze, wogegen Normaldüsen (rechts) eine schlechtere Verteilung am Rand verursachen. Befindet sich daneben zusätzlich ein Gewässer oder eine andere Kulturart, sind Probleme vorprogrammiert (ÖKL).
Im praktischen Teil wurden an einem Gerät vier verschiedene Düsentypen montiert und deren Verteilgenauigkeit im Feld getestet. Als Demonstrationsmodell wurde für jede Düse ein Metallgestell in den Bestand platziert. Daran befanden sich Papierstreifen, die sensitiv auf Wasser reagieren. Zur Demonstration der Verteilung an Ähre, Blättern und Boden wurden sie in unterschiedlicher Höhe angebracht. Das Tropfenspektrum der Düsen bei einer Fahrgeschwindigkeit von 8 km/h zeichnete sich an den Papierstreifen ab und konnte danach in der Gruppe demonstriert und diskutiert werden. Einen entscheidenden Unterschied konnte man bei der verwendeten High-Speed Düse feststellen. Umgekehrt zu normalen Düsen erzielt sie nur einen schlechten Effekt bei niedrigen Geschwindigkeiten und muss mit 10 km/h gefahren werden. Die horizontalen und vertikalen Schwingungen des Gestänges wurden auch veranschaulicht. Um die dafür notwendigen Unebenheiten zu erzeugen, legte der Praktiker Holzklötze in die Fahrgasse. Nur geringste Nachschwingungen des Gestänges sind akzeptabel und wurden von den beiden vorgeführten Fabrikaten der Hersteller Kuhn und Jessernigg eingehalten.

Im Praxisteil wurden verschiedene Düsenbauarten getestet…

deren Verteilgenauigkeit an wasserempfindlichem Papier sichtbar gemacht…

…und die Ergebnisse mit dem Fachmann diskutiert (alle ÖKL).


Abschließend wurde von Herrn Heidemann ein einfaches Rechenbeispiel zur Wasseraufwandmenge erläutert. Eine verminderte Wassermenge kann sehr wohl insgesamt eine geringe Zeitersparnis bewirken. Wer jedoch hier spart, spart auch bei der Verteilgenauigkeit. Dies kann zu einem Ertragsverlust führen, der durch die eingesparten Arbeitszeitkosten nicht aufgeholt wird. Der Zeitgewinn stellt also nur eine gefühlte Kostenersparnis dar.

Das Seminar erwies sich als äußerst lehrreich, sodass jeder Teilnehmer sich wichtige Inhalte mit nach Hause nehmen konnte. Die Qualität der Veranstaltung wurde durch eine durchwegs gute Bewertung bestätigt.

Interessant war das Ergebnis zur Frage, inwieweit von den Teilnehmern Feldspritzen mit „section control“ (GPS-unterstützte Teilbreiten(ab)schaltung) verwendet wird: nur von vieren der 33 Teilnehmer.

Das Seminar wurde im Ausmaß von 3 Stunden als Weiterbildung für den Sachkundeausweis anerkannt. Die Teilnehmer aus Niederösterreich wurden an Ort und Stelle elektronisch registriert.

 

Wanderung von Hof zu Hof

Am Sonntag, den 11. Juni 2017, fand bei strahlendem Vatertagswetter die von ÖKL und Alpenverein Austria gemeinsam organisierte „Wanderung von Hof zu Hof – Ein Landpartie auf den Spuren der heimischen Landwirtschaft“ in der Region um Puchberg am Schneeberg statt.

Mehr darüber finden Sie hier.

Wanderung von Hof zu Hof

Ein Landpartie auf den Spuren der heimischen Landwirtschaft

ÖKL & Alpenverein Austria, Natur- und Umweltschutzgruppe

Am 11. Juni 2017 fand bei schönstem Vatertagswetter die von ÖKL und Alpenverein Austria gemeinsam organisierte „Wanderung von Hof zu Hof“ im Süden Wiens bei Puchberg am Schneeberg statt. Im Zuge der gemütlichen Wanderung erkundete die Gruppe die vielfältige Kulturlandschaft rund um den Schneeberg, begab sich auf die Spuren der heimischen Lebensmittelproduktion und erhielt die Möglichkeit mit den Landwirtinnen und Landwirten vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Ku(h)lturlandschaft erleben und schmecken

Was ist der Unterschied zwischen „Bio“ und „konventionell“? Wie viel Milch gibt eine Kuh? Und was muss sie dafür fressen? Was hat die Landwirtschaft mit der heutigen Kulturlandschaft zu tun? Welche Besonderheiten gibt es in den Wiesen zu entdecken? Dies sind nur einige Fragen, die uns im Laufe der Wanderung von den LandwirtInnen und LandwirtschaftsexpertInnen beantwortet wurden.

Entlang des Weges öffneten uns so manche landwirtschaftliche Betriebe ihre Stalltüren und gewährten Einblick in die Milchproduktion, Mutterkuhhaltung und Grünlandbewirtschaftung. Auch die Kulinarik kam nicht zu kurz: Hausgemachte Schmankerl und das eine oder andere Glas frischer Kuhmilch sorgten für die notwendige Stärkung – Ku(h)lturlandschaft erleben und schmecken!

Am Biohof von Thomas Stickler erhielt die Gruppe Einblicke in die biologische Milchproduktion und Milchviehhaltung. Der „Radlerhof“ der Familie Stickler wird seit 150 Jahren generationenübergreifend im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die derzeit 12 Milchkühe werden im Sommer jeden Morgen vom Anbindestall auf die Weide getrieben, dort bekommen sie ihr frisches Futter im Schatten der alten Apfelbäume. Die Kälber werden im Laufstall auf Stroh gehalten und waren besonders bei den jungen Wanderern sehr beliebt.

Beim zweiten Betrieb erkundete die Wandergruppe die bunte Wiesenvielfalt und machte sich Gedanken zur abgestuften Wiesennutzung. Mit rund 40 gezählten Wiesenblumen und -gräsern konnte die Gruppe die Vielfalt – ergänzend  zum emotionalen Stellenwert – auch nummerisch in Wert setzen. Die Betriebsführerin Anna Stickler gab den TeilnehmerInnen außerdem Einblicke in die Mutterkuhhaltung und Ochsenmast.

Naturschutz durch Landwirtschaft – funktioniert!

Die Kulturlandschaft, wie wir sie heute in der Schneebergregion vorfinden, ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Sie ist durch die regionaltypische Grünlandwirtschaft und Viehhaltung bis heute geprägt und kann auch zukünftig nur durch diese erhalten werden. Unsere heimischen Landwirtinnen und Landwirte leisten durch ihre alltägliche Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieser bunten Erholungslandschaft, pflegen diese und erhalten eine Vielfalt an Strukturen. Für ihre Leistungen zur Erhaltung und Pflege extensiver Wiesen und für den Naturschutz erhalten die Landwirte im Rahmen des Österreichischen Programmes für eine umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) eine entsprechende Abgeltung. Diese Abgeltung entspricht dem entgangenen Gewinn bei extensiver Nutzung (1-2 maliger Schnitt/Jahr) im Vergleich zur intensiven Nutzung (bis zu 5maliger Schnitt/Jahr).  

Puchberg am Schneeberg ist eine Modellregion für den Abgestuften Wiesenbau – das heißt unterschiedliche Wiesen werden in unterschiedlichen Intensitäten entsprechend der standörtlichen Gegebenheiten bewirtschaftet. Die Wiesen in den Gunstlagen mit sehr hohem Ertrag werden intensiv genutzt, die Wiesen mit geringem Intensivierungspotenzial und von Haus aus wenig Ertrag werden extensiver genutzt. So entsteht ein buntes Mosaik an Grünlandbeständen mit der jeweils standörtlich optimalen Nutzung. Davon profitiert insbesondere auch die biologische Vielfalt!

Durch den Kauf heimischer Milch- und Fleischprodukte unterstützen KonsumentInnen also nicht nur unsere heimischen Bäuerinnnen und Bauern, sondern auch die Erhaltung unserer wertvollen Kulturlandschaft!

Die Wanderung von Hof zu Hof gliedert sich in die ÖKL-Exkursionsreihe „Afterwork am Bauernhof“ ein. StädterInnen und KonsumentInnen begeben sich auf die Spuren der heimischen Landwirtschaft und lernen die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft hautnah und im Gespräch mit den Bauern kennen!

 
















ÖKL Praxisseminar Mähdrusch 6. Juli 2017

ÖKL Praxisseminar am 6. Juli 2017 in NÖ: Nicht nur für Vermehrungen – schonend und zugleich mit hohem Durchsatz dreschen

Auch dieses Jahr, am 6. Juli 2017, hielt das ÖKL das beliebte Mähdruschseminar ab. Veranstaltungsort für den theoretischen Teil war das Gasthaus Schmidt in Reisenberg. Die Praxisvorführungen fanden auf den Feldern der GV Marenzi zwischen Himberg und Ebergassing statt.

Ein gespanntes Publikum erwartete die praktischen Ausführungen von Agrartrainer Klaus Semmler am Feld.

Auch heuer durften wir uns wieder über die Teilnahme zahlreicher Interessenten freuen! Klaus Semmler von der Firma Agrartraining erläuterte Probleme und Gegenmaßnahmen in der Maschineneinstellung. DI Rainer Schwab von der Probstdorfer Saatzucht stellte die Herausforderungen und Anforderungen der Mähdreschereinstellungen an die Vermehrungsqualität dar. 27 Teilnehmer lauschten den Vorträgen gespannt.

Zeitdruck und instabile Wetterbedingungen lassen oft optimale Druscheinstellungen in den Hintergrund treten. Um die geplanten Flächen in kurzer Zeit zu ernten, wird oft die Fahrgeschwindigkeit erhöht und im Hinblick auf Druschqualität werden Kompromisse eingegangen. Dass diese Kompromisse aber für ein sinnvolles Ergebnis keineswegs notwendig sind, erläuterte Klaus Semmler in diesem Seminar. Ganz im Gegenteil: Es werden in der Regel lediglich 70% der möglichen Maschinenauslastung erreicht! Bei optimaler Grundausstattung und Einstellung liegt hier also noch erhebliches Potential.

Insgesamt sind ca. 60% der Mähdrescher mit zu kleinen Schneidwerken ausgerüstet. Je nach Maschinenleistung können daher größere Arbeitsbreiten gefahren werden. Mit steigender Arbeitsbreite verbessert sich der Materialfluss und auch die Beschickung des Drusch- und Abscheidesystems, Wendezeiten werden verringert, der Bodendruck verringert sich durch weniger Wendemanöver und die Mähdrescherleistung (t/h) steigt. Zur optimalen Beschickung des Mähdreschers ist auch eine optimale Schneidwerkseinstellung besonders wichtig. Die Höhe der Haspel sollte etwa auf Ährenhöhe gestellt und ihr Vorlauf im Verhältnis zur Fahrgeschwindigkeit ca. 3-4% schneller sein. Bei stehendem Bestand sind die Haspelzinken senkrecht, bei Lagergetreide auf Griff, und bei Raps auf Nachlauf zu stellen. Auch die Einzugswalze trägt erheblich zum optimalen Gutfluss bei. Wird sie ganz nach hinten versetzt, erleichtert das die Übernahme in den Einzugskanal und führt zu gleichmäßiger Beschickung. Der Abstand der Walze zum Bodenblech sollte 30-40mm betragen und deren Zinken sind bei Raps und Getreide auf Griff zu stellen, ansonsten in Nachlaufstellung. Weiters sind mittig an der Einzugsschnecke angebrachte – und für bestimmte Bedingungen/Länder sinnvolle – Bleche zu demontieren, um eine gleichmäßige Verteilung des Ernteguts im Dreschwerk zu gewährleisten. Auch sollte die Umlenkrolle im Einzugskanal höher gestellt werden, um besseren Fluss zu ermöglichen. Ein häufiger Fehler bei Lagergetreide besteht beim zu tiefen Absenken der Schnitthöhe (empfohlen werden 12cm), um auch die flachliegenden Halme noch aufnehmen zu können. In der tiefsten Höheneinstellung sollte das vordere Drittel des Ährenhebers am Boden aufliegen. Durch noch tieferes Absenken wird jedoch die Ährenheberspitze hochgedrückt und häufig von der Haspel erfasst. Das Ergebnis sind verbogene, abgebrochene und unbrauchbare Ährenheber sowie höhere Reparaturkosten. Bei Lagergetreide empfiehlt es sich außerdem, statt den gängigen Halmteilern nach oben gebogene Bügel zu verwenden. So wird vermieden, dass sich das Lagergetreide am Halmteiler nach oben schiebt und zu ungleichmäßiger Beschickung führt.

Das Ergebnis zu niedriger Schnitthöhen bei Lagergetreide: verbogene Ährenheber und höhere Reparaturkosten.

Das Messer muss regelmäßig auf Beschädigungen kontrolliert werden. So wird ein sauberer Schnitt und gleichmäßiger Gutfluss erzeugt. Es ist besser, beschädigte Klingen zu ersetzen, als sie nachzuschleifen.

Manche Hersteller ermöglichen eine konische Einstellung des Dreschkorbs zur Dreschtrommel. Damit kann der Abstand zur Trommel zum Beispiel vorne größer als hinten sein. Klaus Semmler empfiehlt jedoch, die Paralleleinstellung zu wählen; allenfalls bei sehr feuchten Bedingungen könnte der Abstand beim Ausgang größer sein. Dies kommt auch dem Materialfluss und der Druschqualität zugute. Generell wird die Verwendung von Drahtkörben empfohlen, da sie die beste Druschqualität liefern. An der Dreschtrommel sollen die Rillen der Dreschleisten immer gegengleich angebracht werden. So verteilt sich das Erntegut gleichmäßig über die gesamte Breite und bietet optimale Voraussetzung für die folgende Abscheidung und Reinigung. Die Dreschleisten müssen auf Verschleiß kontrolliert werden. Um den Verschleiß zu kompensieren, wird oft die Intensität des Dreschwerks erhöht. Darunter leidet allerdings die Qualität und der Bruchkornanteil steigt! Dasselbe gilt auch für Rotormaschinen.

Konzentriert sich der Gutfluss in der Mitte (etwa durch zu lange Windungen an der Einzugsschnecke), ist auch der Verschleiß der Dreschtrommel in der Mitte höher. Die Folge ist eine geringere Druschqualität, da meist intensiver gedroschen wird (Bruchkorn).Verschlissene Dreschleisten daher tauschen!

Großes Potential zur Steigerung der Mengenleistung und Qualität sieht Herr Semmler auch beim Reinigungssystem. Wie in den vorangegangenen Seminaren appellierte er wieder an die Teilnehmer, die Siebe zu öffnen und die Luftmenge durch maximale Gebläseeinstellung zu erhöhen. Durch die erhöhte Luftmenge soll das Stroh in Schwebe gehalten werden und ist daher leichter vom Korn zu trennen. Die Siebeinstellung spielt dabei eine herausragende Rolle. Im Allgemeinen wird dazu tendiert, bei schlechter Reinigung die Siebe zu schließen, um den Strohanteil zu verringern. Das Ergebnis ist oft nicht zufriedenstellend und verringert die Leistung erheblich. Geschlossene Siebe unterbrechen nämlich den Luftstrom und führen zu unzureichender Reinigung. Das Ergebnis ist ein hoher Gutfluss zur Überkehr durch Untersiebverluste, was zu einer Leistungsreduktion und höherem Bruchkornanteil führt. Die richtige Herangehensweise ist dagegen, die Siebe zu öffnen und von oben herab einzustellen. Befindet sich dabei viel Langstroh im Korntank, ist das Obersieb zu schließen. Bei viel Kurzstrohanteil ist das Untersieb weiter zu schließen. So wird die optimale Reinigung bei hohem Durchsatz erreicht. Hoher Bruchkornanteil kann auch von geringer Kettenspannung der Elevator- und Überkehrketten kommen. Daher ist unbedingt auf die richtige Spannung zu achten! Bei Raps wird von Klaus Semmler im Allgemeinen dieselbe Einstellung wie bei Weizen empfohlen. Nur die Gebläsedrehzahl soll bei Bedarf reduziert werden.

„Siebe auf, Wind auf, Fahrgeschwindigkeit rauf!“ – Klaus Semmlers zusammenfassendes Mantra für reines Druschgut bei hohem Durchsatz.

Erhebliches Einsparpotential liegt auch beim Häckseln des Strohs. Hier wird ein großer Anteil der Energie verbraucht. Hier müssen unbedingt scharfe Klingen verwendet werden, da dies einen geringeren Verbrauch und eine höhere Leistungsfähigkeit der Maschine bedeutet.

Höhere Effizienz kann außerdem beim Verladen des Erntegutes erreicht werden. Oft wird schon bei einem Korntankvolumen von 70% entleert, um eine Überfüllung des Korntanks zu vermeiden. Der Grund dafür liegt oft darin, dass sich die Entladestelle am Feldrand befindet und eine zusätzliche Fahrt zur Überfüllung führen würde. Diese fixen Entladepunkte kosten Zeit! Im Durchschnitt wird der Korntank pro Tag 25 mal entleert. Ein Entleerungsvorgang dauert dabei ca. 5 Minuten. Hochgerechnet werden daher pro Tag 2 Stunden, und in der Saison bei 15 Druschtagen ca. 25-30 Stunden nur für die Entleerung verwendet. Muss dann mit großen Maschinen noch auf kleine Anhänger entladen werden, kostet das noch mehr Zeit. Laut Klaus Semmler soll daher grundsätzlich pro Stunde abgerechnet werden und eine Entleerung wenn möglich während der Fahrt erfolgen.

Druschgut zur Saatgutvermehrung bedarf besonderer Sorgsamkeit bei der Ernte. Als Betriebsleiter der Probstdorfer Saatzucht erläuterte DI Rainer Schwab die Hauptkriterien, die an das Vermehrungsgut gestellt werden und wie sie durch sorgsamen Drusch beeinflusst werden können. Die Kriterien an die Saatgutqualität sind streng geregelt und deren gesetzliche Grundlagen existieren schon seit über 150 Jahren. Absolute Priorität hat die Reinheit des Vermehrungsgutes. Daher muss die Maschine vor der Ernte grundlegend und sorgfältig gereinigt werden. Es ist dabei von Vorteil, wenn sich eine Maschine ganz öffnen lässt, um den Zugang zu erleichtern. In der Regel beansprucht eine gründliche Reinigung ca. 4-5 Stunden Arbeitszeit. In der Saatgutvermehrung handelt es sich meist um vergleichsweise geringe Mengen. Eine Verunreinigung mit fremdem Material kann daher schwerwiegende Folgen haben. Deshalb muss alles herausgeholt und jeder noch so kleine Anteil an Fremdmaterial entfernt werden! Ein weiterer Aspekt der Reinigung liegt in der Krankheits- und Unkrautverschleppung. Ist ein Bestand von Krankheiten (z.B. Steinbrand) befallen, muss eine umso sorgfältigere Reinigung erfolgen. Belastetes Erntegut ist als Saatgut nicht mehr verwendbar. Deshalb muss auch die Maschine von Pilzsporen freigehalten werden, um Verschleppungen zu vermeiden. Im Falle von Unkrautbesatz empfiehlt es sich, betroffene Stellen auszulassen und später als Konsumware zu ernten. Grundsätzlich ist auf möglichst schonenden Drusch zu achten. Höhere Kornverluste sind in diesem Fall besser als Kornbruch. Die Empfindlichkeit gegenüber der Druschintensität ist von der Sorte abhängig. Je offener und ungeschützter sich der Keimling am Korn befindet, desto empfindlicher ist er auch auf Beschädigungen. Zu intensive Druscheinstellungen können außerdem das Korn schälen, was die Empfindlichkeit gegenüber Beizmittel erheblich erhöht.

Am Nachmittag wurden die Empfehlungen dann in der Praxis erläutert. Anhand dreier Hersteller konnten die Teilnehmer den Einfluss geringfügiger Optimierungen auf das Druschergebnis überprüfen. Bei jedem Mähdrescher wurden die Verluste bei Schwadablage ermittelt. Herr Semmler verwies an dieser Stelle darauf, dass dabei die Verluste oft überschätzt werden. Zwar findet man im Schwad häufig viele Körner, doch man muss dabei bedenken, dass die gesamte Arbeitsbreite auf ca 1-1,5m reduziert ist. Daher bedarf es hier einer genaueren Bestimmung. Zu diesem Zweck nahm Klaus Semmler eine Blechschale zur Hand, um das abgelegte Stroh darauf zu laden. Nach Entfernen des oberflächlichen Strohs von der Blechschale ist die Anzahl der Körner pro untersuchter Fläche leicht festzustellen. Mit dieser Formel lässt sich der tatsächliche Verlust in Relation zur Arbeitsbreite einfach errechnen:

Das angestrebte Ziel ist, die Gesamtverluste bei 1,0 – 1,5% zu halten. Wird dies nicht erreicht, so müssen entsprechende Anpassungen bei der Abscheidung bzw. Reinigung vorgenommen werden. Diese Verluste können dabei mehrere Ursachen haben. Die am leichtesten zu behebende ist die Anpassung der Dreschwerkseinstellung. Dazu kommen aber noch andere Faktoren. So kann die generelle Druschfähigkeit sortenbedingt sein und Schwierigkeiten verursachen. Daneben ist es auch möglich, dass die endgültige Reife noch nicht erreicht ist und dadurch viel Korn mit dem Stroh abgeschieden wird.

Zur Verlustkontrolle im Schwad wird der Kornanteil von etwa einem m2 Stroh in einer Schale gesammelt. Die Verluste werden hierbei oft überschätzt, da sich der Gutfluss von der Schneidwerksbreite auf die Schwadbreite konzentriert.

In der Verlustschale lässt sich die Menge der abgeschiedenen Körner leicht feststellen. Auf die gesamte Arbeitsbreite gerechnet sollen die Verluste bei 1,0 – 1,5% liegen.

Insgesamt wurde das Seminar sehr gut angenommen und mit zahlreichen Fragen und Einzelanmerkungen diskutiert. Die hohe Qualität spiegelt sich auch in den guten Evaluierungsergebnissen wider. Das ÖKL dankt den teilnehmenden Firmen und dem Verwalter der Gutsflächen, Herrn Ing. Georg Kolmar für dessen Engagement!

Nach Aussage von Klaus Semmler ist ihm in Europa keine vergleichbare Veranstaltung wie das ÖKL-Mähdruschseminar mit mehreren, parallel arbeitenden Fabrikaten bekannt!!!

 

 

 

Alle Fotos: ÖKL

ÖKL-Pflugseminar 27. April 2017 BERICHT

Richtig pflügen erleichtert die Aussaat und spart Dieselöl!

Bericht zum ÖKL-Praxisseminar am 27. April 2017 an der LFS Hatzendorf in der Steiermark

Pflügen hat in den letzten Jahren in der modernen Landwirtschaft an Wichtigkeit verloren. Der Einsatz des Pfluges wird oft mit unnötig hohen Betriebskosten aufgrund hohen Kraftstoffverbrauchs verbunden. Dabei werden die positiven Aspekte des Pflügens oft außer Acht gelassen. So wird der Boden durch den Einsatz des Pfluges nicht nur durchlüftet, sondern auch gewendet und gelockert. Außerdem werden die Samen von lichtkeimenden Unkräutern vergraben und so der Einsatz von Herbiziden und damit Betriebskosten verringert. Im Sinne eines sinnvollen Einsatzes haben sich die zahlreichen Teilnehmer des diesjährigen Pflugseminars daher intensiv mit der richtigen Einstellung von Pflug und Traktor, sowie einem treibstoffsparenden Fahrstil beschäftigt.

Um richtige Einstellungen am Pflug vornehmen zu können, muss man zuerst die darauf wirkenden Kräfte verstehen. Ein richtig eingestellter Pflug benötigt ein Minimum an Kraft, um gute Arbeit zu verrichten. Der ehemalige Pflüger-Weltmeister Hermann Altmann hat daher die verschiedenen Aspekte der Pflugeinstellungen intensiv in seinem Vortrag behandelt. Immer wieder hob er hervor, wie wichtig der richtige Seitengriff ist. Auch der Luftdruck der Reifen sollte auf jeder Seite gleich und möglichst gering sein, um viel Kraft auf den Boden übertragen zu können. Hier sieht Herr Altmann Einsparpotential.

Die Innenspurweite sollte vorne um 10-15cm breiter sein als hinten, damit der hintere Reifen an die Furchenkante drückt. Ist sie jedoch zu breit eingestellt, fährt der hintere Reifen schon auf ungepflügtem Land, wodurch die Furchenkante abgedrückt wird und ein sauberes Arbeiten der ersten Schar unmöglich ist. Die Unterlenker sind bei richtiger Einstellung frei, und haben auf beiden Seiten den gleichen Abstand zum Rad.. Bei unterschiedlichem Abstand verändert sich der Zugpunkt und der Traktor wird in diese Richtung gezogen. Eine richtige Einstellung bewirkt auch hier eine Kraftstoffersparnis, da unnötigem Gegenlenken vorgebeugt werden kann. Außerdem sollten die Unterlenker möglichst waagrecht nach hinten stehen, wenn sich der Pflug in Arbeitsstellung bzw. –tiefe befindet. Dadurch wird ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Regelhydraulik garantiert. Bei nach unten stehenden Unterlenkern wird der Pflug hingegen von der Hydraulik aus dem Boden herausgezogen. Dazu kommt esvor, wenn der Traktor zu groß und der Pflug zu klein, bzw. dessen Tragachse zu tief angebracht ist.

Der richtige Zugpunkt wird als erstes eingestellt, damit die Unterlenker richtig stehen. Danach folgt erst die Einstellung der Vorfurchenbreite und des Sturzes. Bei richtiger Einstellung des Pflugs steht der Oberlenker vom Traktor aus gesehen in einem Winkel von 90° nach hinten. Auch die Länge des Oberlenkers hat erheblichen Einfluss auf die saubere und gleichmäßige Arbeit des Pfluges. Ist sie zu lang, wird der Pflug vorne herausgehoben, ist sie zu kurz, arbeitet das erste Schar zu tief. Bei harten Bedingungen, wo die Regelhydraulik stark beansprucht wird, ist es ratsam den Oberlenker daher auch am Langloch, und nicht am Rundloch zu befestigen. Generell gilt: Die Regelhydraulik sollte im Maßen und in Kombiation mit derr Mischregelung eingesetzt werden! Die Sturzeinstellung sollte soerfolgen, dass der Pflug von hinten betrachtet an der horizontalen Achse 90° zum Boden steht. Wird ein Packer verwendet, ist mehr Sturz notwendig, damit er entsprechend angedrückt wird. Es ist zu empfehlen den Oberlenker im Rundloch zu befestigen, da der Packer den Pflug anhebt.

Herr Altmann hat oft darauf verwiesen, dass es häufig Pflugmodelle gibt, an die das Stützrad auf Wunsch im letzten Drittel des Pfluges angebracht wird. Für diese Ausführung wird mit den Vorteilen beim Randpflügen argumentiert. Für die Arbeit des Pfluges am Feld sollte dies jedoch hinterfragt werden, da aufgrund der größeren Hebelwirkung beim Einsetzen der Regelhydraulik keine gleichmäßige Arbeitstiefe eingehalten werden kann. Die Pflug bewegt sich in Wellenlinien auf und ab. Ist das Stützrad jedoch am Ende des Pfluges angebracht, wird eine saubere und gleichmäßige Arbeit erleichtert. Für das Randpflügen könnte das  Stützrad abgenommen und die Arbeitstiefe für die verhältnismäßig kurze Zeit manuell korrigiert werden. Um eine saubere Furchenkante zu erhalten, ist der seitliche Abstand von 2-3cm zwischen Scheibensech und Pflugkörper einzuhalten. Wird diese Distanz unterschritten, bricht die Furchenkante immer wieder ab und fällt in die Furche. Auch sollten die Vorschäler nicht zu tief gestellt werden. Ist das nämlich der Fall, füllt sich die Furche mit losem Material, was eine schöne Ablage der ersten Furche unmöglich macht. Außerdem kostet dies Kraft und somit bares Geld. (Bild 1)

Zum Abschluss seiner Ausführungen stellte Altmann einen bildhaften Vergleich an: Beim Pflügen werden bei 25c m Tiefe ca. 2500m3 Erde pro Hektar bewegt. Bei richtiger Einstellung werden dabei ungefähr 20-30l Kraftstoff benötigt. Dasselbe Volumen bewältigt auch eine Baumaschine – jedoch mit einem Verbrauch von 200-300l!

Im Anschluss referierte DI Michael Deimel über Kraftstoff-Einsparpotentiale. Treibstoffkosten machen demnach noch immer ca. ein Drittel der gesamten Produktionskosten aus. Dabei lassen sich hier die Kosten erheblich minimieren. Je nach Arbeit soll immer der richtige Gang gewählt und dabei die Drehzahl zwischen 1600 und 1800 U/min gehalten werden. In diesem Bereich ist das Drehmoment am höchsten und nimmt mit zunehmender Drehzahl weiter ab. Hohe Drehzahlen kosten also nur unnötig Geld (30% mehr Verbrauch) und verursachen darüber hinaus auch unnötige Emissionen.

Bei hydraulischen Getrieben hält Herr Deimel fest, dass hier durch hydraulischen Schlupf 6-7% mehr Treibstoff benötigt wird, als bei Schaltgetrieben. Dagegen wird mit hydraulischen Getrieben auf der Straße Treibstoff eingespart. Weiteres Einsparpotential liegt bei sogenannten Load-Sensing-Hydraulikystemen, die je nach momentanem Bedarf die Menge an geförderter Hydraulikflüssigkeit regeln. Hier können 3-4kW eingespart werden. (Bild 2)

Generell kommt es für die Höhe des Kraftstoffverbrauchs wesentlich auf die Art der Bodenbearbeitung an. Größere Arbeitsbreiten und geringere Fahrgeschwindigkeiten sparen Kosten ein. Auch niedrigere Arbeitstiefen verursachen klarerweise weniger Kosten. Deshalb ist es ratsam, die jeweilige Arbeitstiefe den Bodengegebenheiten anzupassen. Darüber hinaus ist jedoch eine richtige Einstellung des Arbeitsgeräts essentiell! Wird beim Pflug nur der Zugpunkt falsch eingestellt, so erhöht sich der Verbrauch um ca. 20%. Kommt dazu noch eine falsche Neigung des Pfluges, erhöht sich der Mehrverbrauch sogar auf ca. 40%.

Den Reifen kommt dabei auch wesentlicher Anteil am Einsparpotential zu. Verwendet man Reifen mit gutem Profil, wird dadurch der Schlupf verringert und Kraftstoff gespart. Dasselbe gilt für den Reifendruck. Niedrige Drücke (0,8 bar) am Feld führen zu weniger Schlupf und weniger Verbrauch. Bei Transportfahrten ist der Druck jedoch unbedingt wieder zu erhöhen, da durch die Walk- und Reibungsarbeit eine hohe Wärmeentwicklung (weit über 30°C) entstehen kann und den Reifen schadet. Durch die Verwendung einer Reifendruckanlage können diese Druckänderungen leicht und schnell vollzogen werden.

Äußerst kritisch kommentierte Herr DI Deimel das Anbringen von „zufällig“ verfügbaren Eisenteilen an verschlissenen Stellen. In seiner Präsentation waren höchst abenteuerliche Improvisationen zu sehen, die hohem Verschleiß und den dadurch entstehenden Kosten entgegenwirken sollen. Meist erhöht das eigenständige Anbringen von Teilen jedoch den Widerstand im Boden und damit den Kraftstoffverbrauch. Bei einem dadurch verursachten Mehrverbrauch von 6-8l/ha ist fraglich, ob diese Kosten durch die Einsparung an Material gedeckt werden können.

Abschließend wurden noch einige Punkte angesprochen, auf die beim Kauf und der Verwendung von Geräten und Maschinen geachtet werden soll. Demnach soll man beim Traktorkauf darauf achten, dass man Informationen zum spezifischen Kraftstoffverbrauch erhält, eine Sparzapfwelle vorhanden ist und ein Fahren bei Höchstgeschwindigkeit mit abgesenkter Motordrehzahl möglich ist. Weiters soll auf möglichst wenig Eigengewicht und richtige Bereifung geachtet werden. Vor dem Einsatz ist es ratsam, Kühler und Filter zu reinigen, da durch richtige Wartung 6% an Verbrauch eingespart werden können. Unnötiger Ballast sollte entfernt und der Reifendruck verringert werden. Soweit möglich, ist es wichtig, Arbeitsgänge zu kombinieren und möglichst breite Geräte bei gutem Wartungszustand und richtiger Einstellung einzusetzen. Die Größe des Traktors sollte dabei zum Gerät passen und Bodenverdichtung vermieden werden. Zum Thema Bodenversiegelung bzw. -verdichtung hat die Fachzeitschrift „LANDWIRT“ ein interessantes Interview mit dem Bio-Pionier Hermann Pennwieser geführt. Zur Nachlese folgen Sie bitte dem Link am Ende dieses Berichts.

(Bild 3) Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, die einzelnen Schritte zur richtigen Einstellung in der richtigen Reihenfolge am Feld durchzugehen. Hermann Altmann gab dabei wichtige Tipps und wies nach den vorgenommenen Justierungen auf die Veränderungen im Pflugbild hin. Immer wieder machte er den Unterschied deutlich, den eine richtige Einstellung auf den Kraftstoffverbrauch hat und stand für persönliche Gespräche und Diskussionen gerne bereit. Die Teilnehmer konnten somit im Feld den Bezug zu den theoretischen Inhalten des Vormittags herstellen und viele Anregungen mit nach Hause nehmen. (Bild 4, Bild 5)

Insgesamt war es wieder eine sehr angenehme und informative Veranstaltung, die von den Teilnehmern gut angenommen wurde. Allein die Teilnehmerzahl bestätigt den Eindruck, dass der Pflug aus der landwirtschaftlichen Produktion nicht wegzudenken ist und für die meisten Landwirte ein zentrales Bodenbearbeitungs- und -sanierungsgerät darstellt.

Das ÖKL bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmern und der landwirtschaftlichen Fachschule Hatzendorf für die Räumlichkeiten!

Landwirt-Interview zur Bodenfruchtbarkeit: https://www.landwirt.com/Bodendruck-Wir-betreiben-flaechige-Bodenversiegelung,,18563,,Bericht.html

 

Bild 1: Leidenschaftlich erklärte der ehemalige Pflüger-Weltmeister Altmann die richtigen Einstellungen in seinem Vortrag (ÖKL).

Bild 2: DI Michael Deimel erklärte den Kraftfluss und den Energieverbrauch des Traktors bei der Bodenbearbeitung (ÖKL).

Bild 3: Im Praxisteil konnten die Einstellmöglichkeiten an 5 verschiedenen Modellen der beteiligten Hersteller erprobt werden (ÖKL).

Bild 4 und 5: Herr Altmann gab gerne sein Wissen preis, u.a. überprüfte er bei jedem Gespann die Innenspurweite und erklärte ihren Einfluss dann anhand des Pflugbildes (ÖKL).

 

 

 

70. ÖKL-Vollversammlung

Am 23. Mai 2017 fand unter dem Vorsitz von Obmann Stefan Dworzak die 70. Vollversammlung des Österreichsichen Kuratoriums für Landtechnik und Landentwicklung statt. ÖKL-Mitglieder, Projektpartner, Ehrenmitglieder und Freunde des ÖKL waren in den Festsaal der Hagelversicherung eingeladen. Mehr lesen Sie hier!

ÖKL-Vollversammlung 2017

Am 23. Mai 2017 fand unter dem Vorsitz von Obmann Stefan Dworzak die 70. Vollversammlung des Österreichsichen Kuratoriums für Landtechnik und Landentwicklung statt. ÖKL-Mitglieder, Projektpartner, Ehrenmitglieder und Freunde des ÖKL waren in den Festsaal der Hagelversicherung eingeladen. Herr Dr. Weinberger begrüßte die Vollversammlung herzlich.

Auf der Tagesordnung standen unter anderem der Bericht aus der ÖKL-Geschäftsstelle. Anhand der Leitfrage „Was macht das ÖKL für die Landwirtinnen und Landwirte?“ prästentierten die MitarbeiterInnen des ÖKL u.a. die Landtechnik-Praxisseminare, die Merkblätter und Informationsbroschüren für das Landwirtschaftliche Bauwesen, die „Tiergestützte Intervention am Bauernhof“ und die zahlreichen Projekte an der Schnittstelle Landwirtschaft und Naturschutz.

Die wichtigsten Tätigkeiten von 2016 wurden in einer kleinen Unterlage „Das Jahr 2016 im ÖKL“ zusammengefasst. Den gesamten Tätigkeitsbericht 2016 und das Arbeitsprogramm für 2017 finden Sie hier.

Das Hauptreferat hielt Christian Mühlhausen, Agrarjournalist und -fotograf. Das Thema lautete „Schwarzerde, Krieg und Großbetriebe – Landwirtschaft in der West-Ukraine“.

In einer sehr kurzweiligen Stunde erhielt die Vollversammlung einen Einblick in landwirtschaftliche Betriebe in (für Österreich) unglaublicher Größe, in das Leben am Land, über die dort üblichen Pachtverhältnisse großer Investoren und vieles, vieles mehr.