Bericht ÖKL Kolloquium 2017

BERICHT zum ÖKL-Kolloquium 2017 „Maschinenkosten senken!“

Landwirtschaftskammer OÖ in Linz

Auch dieses Jahr fand das ÖKL-Kolloquium mit reger Beteiligung der Besucherinnen und Besucher statt. Insgesamt fanden sich annähernd 100 Teilnehmer am Veranstaltungsort ein. Die Begrüßung erfolgte durch den Obmann des ÖKL, Stefan Dworzak, und Kammerdirektor-Stellvertreter Karl Dietachmair. Beide verwiesen in Ihren Reden auf die schwierige Marktsituation der Landwirte. Daraus entsteht die Notwendigkeit, Einsparpotentiale zu identifizieren und daraus folgende Maßnahmen effektiv umzusetzen. Die notwendigen Grundlagen und Ansatzpunkte wurden in den darauf folgenden Vorträgen erläutert.

Den Anfang machte DI Gerhard Gahleitner der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft. Er wies darauf hin, dass in den letzten 15-20 Jahren die Zahl der österreichischen Betriebe stark rückläufig war, der Anteil der Betriebe mit eigenem Traktor jedoch anstieg. Gleichzeitig wurden auch mehr betriebsfremde Traktoren eingesetzt. Die Einsatzfläche pro Traktor ist dabei vergleichsweise gering. Insgesamt erreicht in Österreich die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Traktor nur 9,4 ha, deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 22,1 ha LF. Gleichzeitig sinkt der Anschaffungswert je Flächeneinheit mit steigender Betriebsgröße. Stellt man den jährlichen Abschreibungsaufwand den Einkünften gegenüber, erreicht Österreich im europäischen Vergleich trotzdem beide Male Platz 2. Dabei sind die hohen Einkünfte vor allem durch überdurchschnittlich hohe öffentliche Gelder und überdurchschnittlich hohem Ertrag pro Hektar zu erklären. Grundsätzlich bieten sich in der Mechanisierung jedenfalls noch Einsparpotentiale und dadurch Möglichkeiten der Ertragssteigerung.

Mit der Ermittlung der Maschinenkosten und der Lokalisierung von Einsparpotentialen beschäftigte sich anschließend DI Gerald Biedermann, betriebswirtschaftlicher Berater der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Erfahrungsgemäß werden selten Aufzeichnungen über die Arbeitserledigungskosten (Mensch & Maschine) am eigenen Betrieb gemacht. Dabei würden wenige Notizen dafür schon ausreichen. Zur Feststellung der Kosten hat die LK Niederösterreich das Projekt „Außenwirtschaft effizient gestalten“ gestartet. Die Berechnungsbasis stellten dabei die ÖKL-Richtwerte dar. Ziel war die maschinenindividuelle Ermittlung des Arbeitsaufwands pro Kultur.  Die Ergebnisse zeigten erhebliche Einsparungen je dach Effizienzniveau des Betriebs. Bei Zuckerrübe entstand sogar eine Differenz von 592€/ha zwischen den effizient und ineffizient wirtschaftenden Betrieben allein durch Identifikation der Kosten und der Anpassung in der Betriebsführung!! Dazu ist jedoch das Wissen um Alternative notwendig. Vergleicht man verschiedene Bearbeitungssysteme hinsichtlich der Arbeitserledigungskosten, entsteht vor allem bei Direktsaat nur ein vernachlässigbarer Mehraufwand in Abhängigkeit des Bodentyps, während die Kosten bei Pflugeinsatz und Mulchsaat sehr stark ansteigen. Auch in der Grünlandbewirtschaftung lassen sich erhebliche Effizienzunterschiede erkennen (584€/ha), wobei Kostensenkungen vor Allem bei höherem Flächeneinsatz entstehen. Als weiteren Grund der Kostenunterschiede führt Gerald Biedermann den hohen Eigenmechanisierungsgrad der LW Betriebe an. Oft wird dabei ein Traktor zur Steigerung der Flexibilität angeschafft, der jedoch nicht mehr ausgelastet werden kann. Hier kostet die Flexibilität mehr als sie nützt!

Mag. Friedrich Stute stellte essenzielle Praxisfragen: Was kostet die geleistete Schlepperstunde? Wie viel kostet die Ernte? Welche Kosten ergeben sich durch einen zusätzlichen Arbeitsgang? Wie hoch ist der Anteil der Reparaturkosten? Ist die „teure“ Maschine am Ende günstiger? Auch er stellte in seiner Tätigkeit als Berater oftmals mangelnde Kenntnis der Arbeitserledigungskosten sowie der Flächenleistungen fest. Zur Senkung der Kosten ist wieder eine optimale Maschinenauslastung ausschlaggebend. Sie sollte aber nicht an der oberen Leistungsgrenze liegen. Eine Maschine sollte dabei so lange genutzt werden, bis die Nutzungskosten die Kosten einer Ersatzmaschine übersteigen. Das Problem der Übermechanisierung sieht er oft bei kleinen Betrieben, da große Betriebe ihre Kosten genauer berechnen und sich effizienter organisieren können. In seinen Kalkulationen zur Nutzungsdauer kam Stute zu dem Ergebnis, dass ein Traktor – von speziellen Fällen abgesehen –  ca. 700 h pro Jahr genutzt werden soll, um mit den Fixkosten einer Leihmaschine konkurrieren zu können. Zur Arbeitsorganisation muss man sich vor diesem Hintergrund oft vor die Frage stellen, gewisse Tätigkeiten an professionelle Dienstleister auszugliedern oder entsprechende Kooperationen einzugehen. Dadurch können die Kosten pro Hektar erheblich gesenkt werden. Schließlich brachte er hinsichtlich der Arbeitserledigungskosten die  Faktoren  Feldform und – besonders unterschätzt – die Feldentfernung ins Spiel.

Dr. Jan Ole Schroers vom KTBL – einer Entsprechung des ÖKL in Deutschland – stellte die Möglichkeit dar, den Restwert in die Maschinenkostenkalkulation einzugliedern. Abweichend von der bisherigen Methode mit dem Restwert „0“ (welche in vielen Fällen – vor allem fiskalrechtlich gesehen – ihre Berechtigung hat), wird  jeder Maschine in Abhängigkeit der Nutzungsdauer (standardgemäß 12 Jahre) und -intensität einen bestimmten Restwert zugewiesen, der entsprechend in der Maschinenkalkulation berücksichtigt wird. Für das Modell  (an dem auch das ÖKL mitgewirkt hat) wurden die Preise tausender Gebrauchttraktoren herangezogen. Im mittleren Zeitabschnitt zeigten sich Unterschiede der Preise von renommierten Herstellern gegenüber dem Mitbewerb östlicher Provenienz, die sich nach (sehr) langer Nutzungsauer noch  deutlicher ausprägen. In Schroers` Präsentation findet sich ein einfaches Rechenbeispiel zu diesem Thema. Ist man sich über Nutzungsdauer und -intensität bei der Anschaffung schon bewusst, kann viel gezielter investiert und können Kosten auf Dauer minimiert werden.

Ing. Roman Braun, Maschinenring OÖ, führte das Maschinenwachstum in der Landwirtschaft auf den Strukturwandel und wachsende Komfortansprüche zurück. Gleichzeitig wird der Landwirt bei Maschinenkäufen oft von Emotionen getrieben, weil man eine neue, schlagkräftigere Maschine will. Vorab werden die Kosten einem viel höheren Nutzen gegenübergestellt und damit „schöngerechnet“. Die meist gesteigerten Leistungsreserven haben aber danach weitere Investitionen im Maschinenpark zur Folge, da die Schlagkraft des Traktors ja voll ausgenutzt werden soll. Trotzdem können die Maschinen nur in den seltensten Fällen voll ausgelastet werden (mangelnde Flächen, Stehzeiten). Rechnet man die gesamten Kosten durch (Anschaffung, Abschreibung, Unterbringung etc.), kommt eine schlagkräftigere Maschine pro Arbeitsstunde oft wesentlich teurer. Wenn die Kapazität für das Verdichten der „schlagkräftig“ angefahren Silage  nicht ausreicht, kann deren mangelnde Qualität letztlich zu erhöhten Kosten für den Tierarzt führen. Deshalb ist bei Investitionsfragen oft Widerstandskraft gegen die Verlockungen einer Neumaschine gefragt!

DI Helmut Scherzer der Vereinigung Lohnunternehmer Österreich (VLÖ) stellte die Wichtigkeit der Lohnunternehmer im landwirtschaftlichen Sektor dar. Durch den Einsatz von Lohnunternehmern können Arbeitsgänge an professionelle Dienstleister ausgegliedert, die Effizienz gesteigert, Kosten minimiert und die Ergebnisse somit maximiert werden. Nur bestens gewartete Maschinen garantieren die stete Einsatzbereitschaft und führen zu möglichen Folgeaufträgen. Hier spielt auch die Qualität der geleisteten Arbeit eine Rolle. Der Landwirt sollte aber hier die eigenen Ansprüche an die Arbeitserledigung genau kennen und je nach Bodenart das jeweilige Maschinengewicht auswählen, um Bodenverdichtungen zu vermeiden und Folgeschäden damit auszuschließen. Analog zum Maschinenring ist es möglich, nicht den gesamten Arbeitsgang auszulagern, sondern z.B. ein großes Güllefass des Unternehmers mit dem eigenen Traktor zu kombinieren. Der Lohnunternehmer lässt sich gut als Unterstützung bei Arbeitsspitzen zur eigenen Entlastung einsetzen. Ein Auftrag sollte dennoch nicht um jeden Preis angenommen werden – ein langfristiges Bestehen ist so nicht möglich.

Über alle erwähnten Vorträge hinweg scheint der Einwand von DI Alfred Pöllinger, eines Verfahrenstechnikers im Publikum, gerechtfertigt, wonach bei aller Berücksichtigung der betriebswirtschaftlichen Aspekte die Terminkosten (also erhöhte Kosten infolge des Wetterrisikos) im Auge zu behalten sind. Das gelte besonders für Grünlandgebiete; gerade diese sind klimatisch benachteiligt.

In eigener Sache gingen Gottfried Hauer und Gebhard Aschenbrenner auf die ÖKL-Richtwerte ein, die  seit über 50 Jahren nicht nur für die überbetriebliche Verrechnung, sondern auch für fiskalische Zwecke, in der Jurisdiktion und mehr noch in im bäuerlichen Sozialversicherungswesen verwendet werden. Die Datenbasis zu ihrer Erstellung ist  breit und lehnt sich an Entsprechungen in Deutschland und der Schweiz an. Die entscheidenden Faktoren für die Berechnung der fixen Kosten sind der Neupreis und dessen Verzinsung, die dem gesunkenen Niveau angepasst wurde. Wenn die Werte auf 450 Einsatzstunden im Jahr umgelegt werden, so ist dies der breite Durchschnitt ohne Extremwerte. Variabel sind die Reparaturkosten, unter denen die Reifen und die Elektrik hervorstechen – wie es mit der Elektronik auf Dauer aussieht, muss sich erweisen. Ein Drittel der Gesamtkosten entfallen auf den Treibstoff, dem noch 10% für Schmiermittel zugeschlagen werden. Das ÖKL rechnet mit 280 g  oder 0,33 l pro kWh. Wenn moderne Motoren weniger verbrauchen, so ist das bei diesen meist unabdingbare Adblue wieder hinzuzurechnen.

 Von der Sozialversicherung der Bauern anerkannt werden mittlerweile die sogenannten Pauschalrichtwerte, wonach eine Leistung, wie z.B. das Pflügen „summarisch“ und nicht mehr einzeln zusammengesetzt aus Traktor und Pflug mit Zeitangabe dargelegt werden muss. Der Grundgedanke bei ihrer Erstellung war: ein großer Traktor mit ebensolchem Pflug kostet pro Stunde mehr, braucht aber weniger Zeit wie ein kleineres Gespann.

Mit den Praktikervorträgen von Georg Mauser und Manfred Krug wurde die Vortragsreihe geschlossen. Beide Betriebe liefern Beispiele, wie man die Effizienz am eigenen Betrieb steigern, Auslastungen erhöhen und Investitionskosten senken kann. Georg Mauser hat mit der Terra Trac Ges.b.R eine Gesellschaft ins Leben gerufen, die neueste Technik an den Mitgliederbetrieben einsetzt. Entsprechend der Gebiete ist die Organisation in Maschinensprengel aufgeteilt. Das Funktionieren der Zusammenarbeit ist dabei sehr oft von der Teamfähigkeit der Gruppenmitglieder abhängig, wobei „Corporate Identity einen hohen Stellenwert besitzt und bis hin zu einer speziellen, einheitlichen Farbe der Traktoren verschiedener Hersteller umgesetzt wird. Kommt es hier zu Problemen, müssen die Konsequenzen gezogen werden und auch personelle Entscheidungen im Team getroffen werden.

Manfred Krug hat sich auf seinem Familienbetrieb dagegen voll auf die Innenwirtschaft spezialisiert. Der Tierbestand umfasst 70 Milchkühe. Durch eine ausgeklügelte Kombination energiesparender Technik (Wärmerückgewinnung aus dem Milchtank, Regenwassernutzung (mit dem Nebeneffekt  geringerer Leitunsverkalkung), Kamerasysteme ohne dauerhafte Stromversorgung) ermöglicht er es, die Kosten der Innenwirtschaft auf ein Minimum zu reduzieren. Der kleine Maschinenpark umfasst die grundlegenden Geräte zur Außenwirtschaft (Güllefässer, Düngerstreuer, Kreiselzettwender, Schwader & zwei Traktoren). Der Großteil der Arbeit auf den 25 ha Grün- und 34 ha Ackerland wird mit Gemeinschaftsmaschinen erledigt oder ausgelagert. Zu diesem Zweck ist Manfred Krug Mitglied bei verschiedenen Maschinengemeinschaften und wickelt vor allem Erntearbeiten über Lohnunternehmer ab. – Auch an kleineren Schrauben dreht er, wenn er auf einen Stromversorger aus Bayern (das ist ungewöhnlich aber möglich) zurückgreift. – Selbstverständlich ist, dass Vakuumpumpe und Lüftung frequenzgesteuert ist.

Fazit:

Die beiden Praxisbeispiele zeigen, dass sich Maschinenkosten durch Identifizieren der eigenen Kernkompetenzen und genaues Planen sehr effizient senken lassen. Natürlich hat das einen geringeren Eigenmechanisierungsgrad zur Folge. Zwar fällt es sicher oft schwer, traditionellerweise selbst erledigte Arbeiten auszulagern, jedoch ist es in Anbetracht zukünftiger Herausforderungen in der Landwirtschaft ratsam diesen Schritt zu wagen. Vor allem Betriebe mit geringer Maschinenauslastung haben viele Möglichkeiten, um ihre Wirtschaftsweise effizienter zu gestalten. Vor allem Investitionsentscheidungen müssen mehr mit dem Kopf, denn mit dem Herz getroffen werden. Neutrales Bewerten und Durchrechnen der eigenen Situation bewahrt davor, falsche Entscheidungen zu treffen und langfristige Folgekosten daraus tragen zu müssen. Trotz der Auslagerung der Arbeitsschritte muss auch die entstehende Bodenbelastung beachtet werden. Mit der Schlagkraft der Maschinen steigt auch oft deren Gewicht. Der Boden ist das Kapital des Landwirts und daher müssen die Bodenfunktionen (Filter-, Puffer-, Speicherfunktion) erhalten bleiben. Vor dem Hintergrund der Erosionsbewegungen zunehmender Starkregenereignisse muss besonderes Augenmerk darauf gelegt werden. Je nach Bodentyp sind daher bestimmte Anforderungen an die Bearbeitung und vor allem an das Maschinengewicht gestellt. Natürlich können Reifendruckregelanlagen Abhilfe schaffen, dennoch gilt vor allem beim Maschinengewicht der Grundsatz: Weniger ist mehr!

Das Kolloquium hat die kalkulatorischen Grundlagen zur leichteren Entscheidungsfindung geliefert, nun ist es an der Zeit, sie am eigenen Betrieb umzusetzen!

Bericht erstellt von Gebhard Aschenbrenner und Daniel Fink

ÖKL-Kolloquium 2017: Die Maschinenkosten senken!

Das Landtechnische Kolloquium des ÖKL 2017 fand am 29. November an der Landwirtschaftskammer OÖ in Linz statt.

Das große Thema: Die Maschinenkosten senken!

Insgesamt 92 Personen nahmen an der eintägigen Fachveranstaltung mit neun Vorträgen teil. Es begrüßten Kammerdirektor-Stellvertreter Ing. Mag. Karl Dietachmair und DI Stefan Dworzak, ÖKL-Obmann, Landwirt in Hornstein, Bgld.

Hier lesen Sie den ausführlichen BERICHT von DI Gebhard Aschenbrenner und DI Daniel Fink!

Einladung und Programm ÖKL-Kolloquium 2017

Die Präsentationen:

Auswertung von Buchführungsergebnissen und Agrarstrukturdaten mit besonderer Berücksichtigung der Mechanisierung
DI Gerhard Gahleitner, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Wien

Erfassung und Auswertung von individuellen Maschinenkosten
DI GeraId Biedermann, LK NÖ, St. Pölten
 
Die „langen Hebel“ zur Senkung der Maschinenkosten
MSc Friedrich Stute, BB Göttingen GmbH / D

Neuerungen in der KTBL-Maschinenkostenkalkulation: Restwertbestimmung und Kostengliederung
Dr. agr. Jan Ole Schroers, KTBL, Darmstadt / D

Wenn Großmaschinen teuer werden
Ing. Roman Braun, Agrarbetreuer MR OÖ, Linz

Kostensenkung aus Sicht der Lohnunternehmer
Dipl.-Kfm. (FH) DI (FH) Helmut Scherzer, GF Vereinigung der Lohnunternehmer Österreich VLÖ, St. Florian, OÖ

ÖKL-Richtwerte: seit 55 Jahren unentbehrlich
DI Gebhard Aschenbrenner, ÖKL, Wien und
Ing. Gottfried Hauer, Bildungswerkstatt Mold der LK NÖ

Kosten einsparen in der Praxis – Ackerbau – Betriebsvorstellung Mauser
Georg Mauser, Landwirt, Kommunaldienst Weinviertel, Dürnkrut

Kosten einsparen in der Praxis – Innenmechanisieurng – Betriebsvorstellung Krug
Manfred Krug, Landwirt, Vöcklamarkt

Der ausführliche Bericht zum ÖKL-Kolloquium 2016

Traktor und Landmaschine im Straßenverkehr – das ÖKL-Kolloquium 2016

Steigende Besucherzahlen bei seinen alljährlichen Kolloquien ist das ÖKL gewohnt, doch mit etwa  270 Teilnehmern hat es offenbar ein höchst aktuelles Thema aufgegriffen. Dass von den neun Vortragenden fachkundige Information erwartet wurde, bewies die Anwesenheit von über 20 Polizisten.

Der Obmann des ÖKL, Stefan Dworzak, selbst Praktiker, sah in der Begrüßung die Berufskollegen als „unfreiwillige Verkehrsteilnehmer“ auf öffentlichen Straßen und die gleichzeitig zunehmenden Tonnagen als Folge sich ändernder Strukturen. Sie wollen diese nicht, müssen aber die öffentliche Straßen benützen – und das mit Fahrzeugen, die dafür nicht unbedingt optimiert sind.

Heinrich Prankl begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im eindrucksvollen Ambiente des Schlosses der HBLFA Francisco Josephinum und erläuterte einen Hintergrund für das Kolloquium: Im Jahr 2011 wurde an der BLT in Wieselburg das  Fachgremium „Landmaschinen im Straßenverkehr“ gegründet, das mit hochkarätigen Experten aus den Ministerien, Landesregierungen, den Wirtschafts- und Landwirtschaftskammern, der SVB und weiteren Interessensvertretungen (z. B. MR, VLÖ, ÖKL, u.a.m.) besetzt ist. Darin werden virulente straßenverkehrsrechtliche Themen diskutiert, bei denen es oft um eine praxisgerechte Auslegung von Vorschriften geht.  

Johannes Hütter, Landeschulinspektor in der Steiermark ging das Unterwegssein mit breiten und leistungsfähigen Maschinen in seinem  psychologischen Aspekt an: wer in den Wald fährt, sorgt dafür, dass die Säge geschärft, betankt und das Werkzeug dabei ist – für eine geplante Arbeit. Dagegen fährt man mit den Traktor ganz  selbstverständlich auf die Straße; häufig ohne sich zu vergewissern, dass Warnweste, Verbandspaket und Warndreieck dabei ist. (Andererseits: wo verstaut man auf dem 100.000–Euro–Traktor das Dreieck, die Schaufel zum Straßenreinigen?) Psychologie spielt auch bei der unterschiedlichen Wahrnehmung zwischen Fahrer und Fußgängerin eine Rolle: für die Frau mit Kinderwagen  „rauscht“  ein Gespann mit zwei Meter hohen Rädern knapp vorbei. Der Fahrer wiederum fährt aus seiner Sicht eh nur mit 20 km/h und weicht so weit wie möglich aus. Auf der Straße müssen die hinteren Arbeitsscheinwerfer ausgeschaltet sein: wer den scheinbar entgegenkommenden weißen Scheinwerfern man nach rechts ausweicht… Hütter verwies auf die vielen Ausnahmen für die Landwirtschaft, die man nicht überstrapazieren sollte: Prinzipiell darf ein 16-jähriger mit 40 t und der relativ hohen Geschwindigkeit von 50 km/h unterwegs sein!

Gemäß Franz Handler (HBLFA Francisco Josephinum) werden Achslasten am Traktor nur zu bald über- und unterschritten und wenn es diese nicht sind, dann die Tragfähigkeit der Reifen, deren Druck auf dem Acker abgesenkt werden sollte. Hierzu ergänzte MR DI Watzinger, im BMLFUW für Invest-Förderungen zuständig, dass Reifendruckregelanlagen mit 40 % gefördert werden.

Gewicht kann am Traktor effektiver eingesetzt werden, wenn es an einem längeren Hebel lastet. (Anm: Auf der Messe in Bologna wurde eine hydraulische Konstruktion mit der beziehungsvollen Bezeichnung „multiplicatore“ vorgestellt, die das Front- oder Heckgewicht verschiebbar macht, sodass auf der Straße die Achslasten nicht überschritten werden und auf dem Acker ein höchstmöglicher Effekt erreicht wird.) Nach einer Faustregel steigert 1t Ballast auf dem Acker den Verbrauch um einen Liter. Schon vor dem Kauf müssen Maße und Gewicht der Gerätekombination berücksichtigt werden. – Auf die möglichen Konsequenzen einer scheinbar günstigen, aber in Österreich nicht genehmigungsfähigen Maschine hatte in dem Zusammenhang schon Hütter verwiesen. Da ist es vergleichsweise angenehm, wenn man den verkehrsrechtlichen Bestimmungen schon dadurch genügt, dass man den Saatgutbehälter halt nicht ganz befüllt. Auf der Waage muss das Gespann zur Achsverwiegung eben stehen.

Wenn in Niederösterreich jährlich 12.0000 Routengenehmigungen erteilt werden, setzt dies eine kurze Bearbeitungszeit voraus und sie beträgt nur einen Tag, wie Manuela Schandl vom Amt der NÖ Landesregierung erläuterte! Die Gültigkeit schwankt bundesländerweise zwischen unbefristet und (Wien) nur einem Jahr; auch kann sie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten verknüpft sein; grundsätzlich bezieht sie sich nur auf Bundes- und Landesstraßen. Für die zunehmend verbreiteten Raupenfahrwerke ist die Bestimmung einer Brückenlast relativ aufwendig.

Auf die teilweisen komplexen führerscheinrechtlichen Bestimmungen in der Land- und Forstwirtschaft ging Patrick Majcen von der LK Österreich ein. Der Fahrerqualifizierungsnachweis ist im Rahmen der Land- und Forstwirtschaft nicht notwendig.- Majcen hob aus den 13 Vormerkdelikten besonders jene zur Ladungs- und Kindersicherung hervor. Der nationale Führerschein F wird nur in einigen EU-Ländern anerkannt, was ein für die Auslandspraxis zu beachtender Faktor ist. Eine Erleichterung für ausländische Praktikanten ist, dass derartige Führerscheine hierzulande weitgehend anerkannt werden.

Stefan Dirnberger, Geschäftsführer der RUG Raiffeisen Umweltgesellschaft, zeigte die Grenzen der Handwerkerregelung für Gefahrguttransporte auf. Die strengen Vorschriften von „ADR“ (Europäisches Übereinkommen für die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) haben wirklich große Berechtigung: Waren in den Siebzigerjahren auch hierzulande noch alljährlich -zig Verunglückte aufgrund von Gefahrguttransporten zu beklagen, hat sich die Situation seit Einführung der Regelung drastisch verbessert. Für die kommenden zwei Jahre gilt „ADR 2017“.

Stoffe, Gemische und Gegenstände, die beim Transport für Menschen und Umwelt gefährlich werden können, unterliegen strengen Auflagen. Sie dürfen entweder gar nicht, nur in bestimmten Mengen oder nur unter bestimmten Auflagen befördert werden.

Während prinzipiell alle gewerblichen Betriebe inkl. Landwirte davon betroffen sind, gibt es gleichzeitig diverse Ausnahmen, z.B. für Privatpersonen (meist Kleinmengen), Handwerker (für den Tagesbedarf) und auch eine Art „Traktorregelung“ für land- und forstwirtschaftliche KFZ plus Anhänger. (Ziffer „10“ in der Zeile A4 des Zulassungsscheines). Mehr Detailbestimmungen finden Sie in den Referaten – bitte klicken Sie auf den jeweiligen, farblich unterlegten link.

Reinhard Allerstorfer, Maschinenring Oberösterreich, frischte die wichtigsten Grundsätze der Ladungssicherung auf und untermauerte diese mit Bildern. Denn Ladegut und Geräte zur Ladungssicherung sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Das wichtigste Hilfsmittel, die Reibung zwischen Ladegut, z.B. auf Paletten, und glatten Ladeflächen zu erhöhen, sind rutschhemmende Matten.

Zurrgurte (um die ausreichende Anzahl leichter bestimmen zu können,  stellte Allerstorfer den Behelf „Zurrkraft Controller“ vor) nützen nur, wenn sie an entsprechend stark ausgelegten Zurrpunkten Halt finden – was bei älteren landwirtschaftlichen Hängern oft kaum möglich und beim Neukauf eines Kippers heutzutage anzusprechen ist.

Welche Transporte noch als landwirtschaftlich gelten oder doch – mit oft schärferen Auflagen oder (steuer-) rechtlich anders behandelt – gewerbliche Transporte mit Konzessionspflicht darstellen, legte Helmut Scherzer von der Vereinigung Lohnunternehmer Österreich dar. Die gewerberechtlichen Ausnahmen für bäuerliche Nachbarschaftshilfe und landwirtschaftliche Fuhrwerksdienste –wesentliche Details in seinen Folien – sind schnell ausgereizt und so mancher Landwirt wurde wegen Übertretung der Ausnahmebestimmungen schon empfindlich bestraft, einzelne Vergehen addiert: so beträgt die Mindeststrafe nach Anzeige wegen unerlaubtem Güterverkehr 1500 Euro und falls auch noch ein 50 km/h Traktor ohne Kontrollgerät im Einsatz war…

Herbert Atzlinger, Chef der gleichnamigen Firma im oberösterreichischen Niederneukirchen, die sich mit Druckluftsystemen, Klimaanlagen, und Reifendruckregelsystemen beschäftigt und für mehr als 50 Landmaschinenhersteller etwa 5000 Varianten von Druckluftbremsen aufbauen kann (seit 1970 über 80.000 Anlagen), legte seinen Referatsschwerpunkt auf mögliche Probleme bei Traktoren mit stufenlosen Getrieben. Denn mittlerweile bieten fast alle Hersteller auch stufenlose Getriebe, und das in immer leichteren Baureihen.

Durch automatische Abbremsung – Getriebeverzögerung beim Loslassen des Fahrpedals bis zum Stillstand der Antriebsachse – werden völlig neue Fahreigenschaften geschaffen, die schon so manchen Fahrer in kritischen Situationen überfordert haben. Eine schwere, ungebremste Anhängelast schiebt allzu leicht einen Traktor mit rutschender Hinterachse unkontrollierbar aus der Spur. Hohe Sachschäden und schwere Verletzungen mit Todesfolge drohen.

Abhilfe schaffte bisher – neben genauem Studium der Betriebsanleitungen und Befolgen der empfohlenen Vorgangsweise –  die manuell zu betätigende Streckbremse, wodurch der Anhänger auch ohne Betätigung der Fußbremse abbremste. Eine automatische Streckbremse für Stufenlostraktoren ist bis dato nicht eingeführt, aber – auch bei Atzlinger – in Entwicklung.

Die neuen EU-Richtlinien 167/2013 bzw. 2015/68  bringen zwar einige Verbesserungen, schaffen aber mit dem bestehenden Fahrzeugbestand mögliche neue Probleme. Denn manuell betätigte Streckbremsen können nicht mehr einzelgenehmigt werden und der vorgeschriebene Druckanstieg im Verhältnis zur Verzögerung passt nicht ganz, wenn Traktoren und Anhänger, eingestellt nach der neuen Norm, und alte Anhänger (unter 30 km/h) gekoppelt werden. Hier wird im Detail künftig noch Abstimmungsbedarf bestehen. Erste automatische Streckbremsen (-nachrüstsätze) im Lauf der Jahres 2017 auf den Markt, Hersteller wie Haldex und Wabco entwickeln gerade automatische Anhängersteuerventile, die wahrscheinlich zuerst in den neuen Baureihen der höheren PS – Klassen angeboten werden.

Atzlinger appellierte, speziell mit Stufenlostraktoren bis zur offiziellen Verfügbarkeit besonders vorausschauend und aufmerksam zu fahren – jeder (Traktor-) Hersteller empfiehlt in der Betriebsanleitung, wie schwere Anhängelasten bestmöglich zu bremsen sind. Darüber hinaus wären typspezifische Fahrertrainings sinnvoll…  

Zum Abschluss des informativen Tages besprach Wilhelm Schagerl von der Sozialversicherungsanstalt der Bauern anhand von knapp 90 Photos gute und schlechte Beispiele diskussionswürdiger Ausstattungsmerkmale der straßenverkehrstauglichen Ausrüstung von Landmaschinen.

Die Präsentationen der Referate sind HIER abrufbar.

Gebhard Aschenbrenner (ÖKL) und Otto Krönigsberger (Landwirt)

ÖKL-Kolloquium am 6. Dezember in Wieselburg

dsc01172Am 6. Dezember fand das Landtechnische Kolloquium des ÖKL statt! Das Thema lautete „Traktor und Landmaschine im Straßenverkehr“ und wurde in neun Fachvorträgen umfassend behandelt.
Tagungsort war das Francisco Josephinum in Wieselburg. Die Veranstaltung war mit 271 Besucherinnen und Besuchern hervorragend besucht!
Alle Beiträge finden Sie hier.

ÖKL-Kolloquium 2016

kolloquium-2016-oekl-024Am Dienstag, 6. Dezember 2016, fand das eintägige landtechnische Kolloquium des ÖKL im Schloss Weinzirl, Francisco Josephinum, in Wieselburg (NÖ) statt. 271 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Fachveranstaltung teil, die das Thema „Traktor und Landmaschine im Straßenverkehr“ in 9 Referaten umfassend behandelte.

Den ausführlichen Bericht von Gebhard Aschenbrenner und Otto Krönigsberger lesen Sie HIER.

HR DI Heinrich Prankl, HBLFA Francisco Josephinum, und DI Stefan Dworzak, ÖKL-Obmann und Landwirt in Hornstein, Bgld., begrüßten die TagungsteilnehmerInnen. Die Moderatoren waren vormittags Ing. Christoph Wolfesberger, LK NÖ, und nachmittags DI Michael Deimel, Obmann des Arbeitskreises „Landmaschinen“ des ÖKL

kolloquium-2016-oekl-042Einladung und Programm (pdf)

DIE FACHVORTRÄGE:

Unterwegs mit breiten und leistungsfähigen Maschinen
Ing. Johannes Hütter, Landesschul-Insp. Steiermark, Graz

Achslasten am Traktor: nur zu bald über- und unterschritten
DI Franz Handler, HBLFA Francisco-Josephinum, Wieselburg

Routengenehmigungen für landwirtschaftliche Fahrzeuge
Manuela Schandl, Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten

oekl-koll-16-nachmittagFührerscheinrechtliche Bestimmungen im Rahmen der Land- und Forstwirtschaft
Mag. Patrick Majcen, LK Österreich, Wien

Gefahrguttransporte. Die Grenzen der Handwerkerregelung
DI Stefan Dirnberger, RUG Raiffeisen Umweltgesellschaft.m. b. H., Korneuburg

Ladungssicherung – inzwischen kein Thema mehr?
Mag. Ing. (FH) Reinhard Allerstorfer, Maschinenring OÖ, Linz

Landwirtschaftliche Transporte
Dipl.-Kfm. (FH) DI (FH) Helmut Scherzer, Vereinigung Lohnunternehmer Österreich (VLÖ), St.Florian, OÖ

Stufenlos, aber nicht bremsenlos. Die Vorgaben der europäischen Bremsenverordnung
Ing. Herbert Atzlinger, Atzlinger GmbH, Niederneukirchen, OÖ

Straßenverkehrstaugliche Ausrüstung von Landmaschinen
Ing. Wilhelm Schagerl, SVB, Wien
(mit Bilder auch von Ing. Thomas Fussel, HBLFA Francisco- Josephinum, und DI Christoph Zaussinger, LK OÖ, Linz)

Das ÖKL ist nicht für die Inhalte der Präsentationen verantwortlich.


mlo-logo_dienststellen_wieselburg_lang_final_coa-mittelIn Zusammenarbeit mit dem Francisco Josephinum in Wieselburg.

 

 

 

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Bericht ÖKL Kolloquium 2015

Bericht zum ÖKL-Kolloquium „Moderne Technik auch im Grünland“ von Gebhard Aschenbrenner, ÖKL

Das Landtechnische Kolloquium des ÖKL wird seit über 50 Jahren zu verschiedensten Themen wie Bodendruck, Treibstoffeffizienz, Kostenreduktion, Strategien zur Klimaänderung an wechselnden Standorten abgehalten. War es zum Maisbau naheliegend, es in Kärnten abzuhalten, so galt dies für das Thema „Moderne Technik auch im Grünland“ für den Heffterhof der LK Salzburg, deren Vizepräsident Wagner die annähernd 200 Teilnehmer neben dem Obmann des ÖKL, DI Dworzak begrüßte.

Einen eher produktionsbetonten Standpunkt vertrat DI Josef Galler, Grünlandexperte der örtlichen LK, wobei er forderte, dass 6000 kg Milch aus Gras erzeugt werden sollten, was etwa 2000 kg Rohprotein pro ha entspricht. Kein Vorteilhaftes Bild zeichnete er hinsichtlich der Eiweißversorgung in der EU, speziell bei Soja mit einer Selbstversorgung von nur 2%. Der Grünlandbewuchs sollte zu drei Vierteln aus Gräsern, daneben Leguminosen und der Rest aus 10 bis 20% Kräutern – aber eben keinen Unkräutern –, dem „Salz und Pfeffer“ bestehen. Löwenzahn ist ein wertvolles, den bodenlockerndes Krauts, das zur „gelben Gefahr“ nur im Übermass wird. Zur Ausbreitung der unerwünschten Quecke trägt die Verdichtung bei; diese wird auch durch den Rasierschnitt (gegen den sich noch andere Referenten wandten) gefördert. Wie im Ackerbau fördert eine Kalkung die Druckstabilität, wenngleich der pH-Wert im Grünland niedriger liegen kann. Lückige Bestände sind das Resultat von Verdichtung und Narbenschädigung, die Konsequenz daraus Verunkrautung (Ampfer, Hahnenfuß bis hin zum giftigen Kreuzkraut in extensiveren Lagen) und Verungrasung (jetzt vermehrt mit Gemeiner Rispe).

Bei der Nachsaat ist das Anwalzen wichtig, nachdem zuvor auf die richtige Saattiefe der mischungen geachtet wurde. Für eine Neuansaat brachte Galler ein extremes, aber grundsätzlich nachvollziehbares Beispiel: 1.800 € Aussaatkosten bringen binnen sechs Jahren einen veredelten) Wert von 16.000 €!

Stickstoff ist die erste Vorrausetzung für Wachstum, wenn schon nur eine begrenzte Menge ausgebracht werden darf, sollte es verlustarm geschehen – der Prallteller, dessen Tage bald gezählt sind, trägt dazu nicht bei. Galler schlug hinsichtlich der Qualität des Futters den Bogen zum nachfolgenden Vortragen zur über die Trocknung, indem er meinte, das Gras bzw. Heu „müsse die teure Trocknung auch wert“ sein.

Ergebnisse über den Futterwert und die daraus abzuleitende Milcherzeugung brachte Dr. Leonhard Gruber von der HBLFA in Gumpenstein, wobei er Bodentrocknung, Kaltbelüftung und Entfeuchtertrocknung einerseits mit der Silierung andererseits verglich. Zunächst verwies er auf die unterschiedlichen meteorologischen Gegebenheiten der Grünlandlagen in Österreich, welche die Trocknung nahelegten. Zugleich warnte er vor einem „Tunnelblick, der ökologische Aspekte außer Acht lässt und veranschlagte den optimalen Rohproteingehalt bei 13 bis 16%, während der Vorredner diesen bei 18% gesehen hatte. Die Unterdachtrocknung von Heu bringt eine höhere Nährstoffkonzentration im Vergleich zur Bodentrocknung und Silierung. Folgerichtig ist eine höhere Grundfutteraufnahme, die wieder eine höhere Milchleistung bedingt. Somit wäre der Vorteil klar, aber der Mehraufwand verlangt eine betriebswirtschaftliche Abwägung, wie DI Pöllinger, ein Kollege von Dr. Gruber, ausführte: Dazu zählt der Stromverbrauch, der mitunter deutlich über den Firmenangaben lag. Bei den Fixkosten sind die unterschiedlichen Gebäudekosten zu berücksichtigen. Das zusammenfassende Ergebnis: Heu höchster Qualität setzt die künstliche Fertigtrocknen weitgehend voraus. Dabei sind die Kriterien: Futterwert und Menge negativ korreliert, also nicht in einem einzigen Stadium erreichbar und es müssen Kompromisse eingegangen werden.

Gemäß Mag. Kittl von LK Salzburg sind nur noch zwei Tage schönen Wetter zum Heruntertrocknen auf eine Restfeuchte von 35 bis 40 % zur (Welk-)Heuernte nötig, das Fertigtrocknen auf eine Restfeuchte von 1% (erst dann ist eine stabile Lagerung möglich!) geschieht unter Dach. Entscheidend ist das „Sättigungsdefizit“, also das Wasseraufnahmevermögen, das mit steigender Lufttemperatur zunimmt. Eine Dachabsaugung, die – um später teure Adaptionen zu erübrigen – am besten gleich beim Neubau mit eingeplant wird, erreicht z.B. bei 100 m2 beachtliche 100 kW/136 PS! Eine weitere Erwärmung ist mittels Öl oder Hachschnitzeln möglich. Für 10m2 Boxenfläche ist ein kW Lüfterleistung notwendig. Besagtes Sättigungsdefizit kann auch durch die Entfeuchtung (Kondensation) erreicht werden. Sie funktioniert nach dem Prinzip der Wärmepumpe und erreicht daher hohe Wirkungsgrade. Eine ausreichende Luftleistung und –temperatur sorgt dafür, dass die von unten durch den Stock strömende Luft nicht im obersten Teil feuchte übersättigt kondensiert und diesen erst recht wiederbefeuchtet.

Dass es in der Landtechnik Zyklen wiederkehrender Technik gibt, bewies die Vorstellung das äusserst schonend arbeitenden Kammschwaders durch dessen Salzburger Importeur. Schon in den fünfziger Jahren hatte es ihn – wegen der begrenzten Hubkraft der Traktoren in gezogener Ausführung unter der Bezeichnung „Schubrechwender“ – gegeben . Die langsam in das Heu eintauchenden Zinkenbalken beschleunigen dieses nur wenig und die Bröckelverluste werden vermindert. Mit geänderter nach Drehrichtung und flacherem Anstellwinkel ist auch ein gleichermaßen schonendes Wenden möglich.

Mähaufbereiter, die in Österreich weniger verbreitet sind wie in der Schweiz; gibt es in der Ausführung mit Zinken oder Walzen. Letztere wirken weniger aggressiv und sind daher eher für Leguminosen (Klee) geeignet. Die Kombination mit Scheibenmähern ist günstiger als mit Trommelmähern, denn deren Schwaden verringern die Aufbereiterleistung. Aufbereiter entlasten die Vorderachse, während die Hinterachslast an ihre Grenze kommen kann. Die durch das behandeln reduzierte Wachsschicht beschleunig das Trocken, aber es ist einsichtig, dass unerwarteter Regen rascher ins Mähgut eindringt, wie DI Handler (BLT Wieselburg) ausführte.

26 und 28 PS oder ca. 20 kW: das war früher die Leistung mittlerer Traktoren! Diese weisen heute die stärksten Motormäher mit Zweizylinder–Ottomotoren auf. Mit Stachelwalzen, verschiebbarer Achsen und hydraulischem Antrieb verlangen sie einen geringeren körperlichen Einsatz, bewältigen dennoch steilstes Gelände und erreichen hohe Leistungen. Die Kombination mit der Heuraupe wird inzwischen mit jener durch den „Hill-Rake“, einem Gerät, das gleichermaßen zettet, wendet und schwadet, ergänzt. Die Technik des bloßen Hinunterschiebens von Heu wird durch den “Twister“ erweitert, der das Futter zu Schwaden formt und über weitere Strecken zu Tal fördert. Wenn das Gelände zu steil wird, kommen Blasgeräte mit einer gegenüber dem Handrechen vielfachen Leistung zum Einsatz. Sie haben auch einen ökologischen Aspekt – nicht nur wegen des Lärms für den Bediener und die Umwelt, sondern wegen der Insektenproblematik, die durch größere Schnitthöhe entschärft werden kann. (Somit hob auch J. Paar/Landwirt den Gesamtvorteil gegenüber ein um paar Zentimeter längerem Entegut hervor!).

Etwa 130 Ampferpflanzen lassen sich nach Dr. Latsch/Tänikon pro Stunde mit dem inzwischen marktreifen Gerät zur Ampferbekämpfung mit Heißwasser entfernen. Nach seiner Kalkulation sind die Gesamtkostendann niedriger als beim händischen Ausstechen.-Setzt man statt der unterstellten 28 Franken Lohn den österreichischen ein, dann verschieben sich die Verhältnisse allerdings wieder zugunsten des Stechens. Ökologische Bedenken über die „Schlammpackung mit den Dreckfräser“ konnte der Wissenschaftler zerstreuen: nach relativ kurzer Zeit kommen die Regenwürmer zurück und im Boden ist die vorherige Struktur zurück. Ein Pflanzenschutzunternehmen befasst sich mit der Insektenart „Glasflügler“, der zunächst Eier auf Ampferpflanze legt und deren Larven in der Folge die Wurzel befällt. Ungeklärt ist noch die wirtschaftliche Art der Eiapplikation. Immerhin: Firmen greifen nur Themen auf, mit debnen sie einmal Geld verdienen.

Einen gewissen Kontrapunkt zur Produktion setzte DI Barbara Steurer vom ÖKL und stellte dessen erfolgreiches und vom Bundesminister ausgezeichnetes Projekt „Wir schauen auf unser Wiesen“ vor. Damit wird dieEigenverantwortung der ca 700 nach ÖPUL wirtschaftenden und teilnehmenden Bauern für die Erhaltung selten gewordener Tiere und Pflanzen unterstrichen. Die in einer zentralen Datenbank erfassten und anonymisiert ausgewerteten Daten ermöglichen es, die Bewirtschaftungsauflagen zu verbessern. Die Abgeltung beträgt € 39 pro ha und Jahr und € 57 für Biobetriebe.

Dass das Vorgetragene in der Praxis und aus betriebswirtschaflicher Sicht funktioniert, zeigten die Berichte zweier grünlandbewirschaftender Landwirte, deren einer sich nicht auf die „Förderungshängematte“ verlässt und ein offenbar optimales Mittelmaß zwischen neuer und Gebrauchttechnik gefunden hat. Er sprach über den familiären Hintergrund als Vorrausetzung für erfolgreiches Wirtschaften: die Ehefrau solle seine Frau dürfe man z.B. nicht – selbst meist auswärts in der Arbeit – „der Schwiegermutter aussetzen“. Sie sollte den Beruf ihrer Wahl ausüben, auch wenn es nicht jener der Bäuerin ist.

Für einen weiteren Betrieb mit 70 ha Grünland sind die ersten 48 Stunden der Trocknung für die Futterqualität entscheidend, nachdem bereits der Aufbereiter am Mähwerk einen Zeitgewinn gebracht hat. Die Abwärme einer Biogasanlage zusammen mit Dachabsaugung und Luftentfeuchter sorgt für die nötige Kapazität, um das Feuchtheu von 20 bis 25 ha auf 270 m2 Boxenfläche zu trocknen.

Gebhard Aschenbrenner, ÖKL

ÖKL-Kolloquium Moderne Technik auch im Grünland

IMG_0078Am 2. Dezember 2015 fand das jährliche Landtechnische Kolloquium des ÖKL am Heffterhof in Salzburg in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik statt.
LOGO_Hochschule für Agrar- und UmweltpädagogikThema: Moderne Technik auch im Grünland

Es begrüßten LK-Vizepräsident Georg Wagner (Salzburg) und ÖKL-Obmann DI Stefan Dworzak.

In den Referaten wurden unterschiedlich abgestufte Philosophien vertreten, wobei jene von DI Josef Galler, LK Salzburg, und Dr. Leonhard Gruber, HBLFA Gumpenstein, gleich zu Beginn die produktions- und ökologisch betonten „Eckpunkte“ markierten. Gemeinsam war ihre Sichtweise, dass möglichst viel Milch aus dem Grundfutter gewonnen werden sollte. Dessen möglichst verlustfreie Gewinnung leitete besonders für die weniger günstigen Lagen zur Heutrocknung bzw. Silage über. Die Trocknung wurde „stufenweise“ in Verbindung mit der Dachabsaugung und der Luftkondensation auch von zwei Praktikern anhand ihre spezifischen Lösungen Betriebe geschildert, nachdem Mag. Kittl (LK Salzburg) die Grundlagen dargelegt hatte. Das „Für und Wider den Mähaufbereiter“ erbrachte als Saldo ein „wider“, womit es die Realität in Österreich spiegelte. In keinem anderen Land wird so viel Technik für den extremen Hang hergestellt wie in Österreich und die Motormäher als Antrieb weisen mittlerweile Leistungen von 21 kW/ 28 PS, um die Technik auch sinnvoll einsetzen zu können. Die Blasgeräte, zum „Heuschieben“ verwendet, haben auch einen ökologischen Aspekt –nicht nur wegen des Lärms, sondern wegen der Insektenproblematik. Dr. Latsch (Tänikon, CH) ging auf die Ampferbekämpfung mit Heißwasser und eine Insektenart ein, die die Ampferwurzel befällt. DI Barbara Steurer vom ÖKL stellte dessen erfolgreiches und vom Bundesminister ausgezeichnetes Projekt „Wir schauen auf unser Wiesen“ vor. Ein Landwirt sprach im Rahmen der Praxisberichte über den familiären Hintergrund als Vorrausetzung für erfolgreiches Wirtschaften: Seine Frau dürfe man z.B. nicht – selbst meist fort in der Arbeit – „der Schwiegermutter aussetzen“.

Einen umfangreicheren Bericht finden Sie hier!

In logischem Zusammenhang mit dem ÖKL-Kolloquium sprach das ÖKL die Einladung zum „Praxistag Heutrocknung“ am 22. Jänner 2016 aus.

IMG_0116Auf dem Foto von li nach re: Josef Grundbichler (Fa. Grundbichler), Mag. Matthias Kittl (LK Salzburg), Harald Dürager (Praxisbetrieb), DI Gebhard Aschenbrenner (ÖKL), DI Barbara Steurer (ÖKL), Dipl.-HLFL-Ing. Josef Galler (LK Salzburg), ÖKL-Obmann DI Stefan Dworzak, Hermann Schwärz (Praxisbetrieb), Dr. Roy Latsch (Agroscope), DI Franz Handler (Josephinum Research), DI Michael Deimel (ÖKL) und DI(FH) Donner Herbert, MSc. (ÖKL)

Programm und alle Beiträge:

Top-Grundfutterqualität – warum?
Präsentation Galler
Dipl.-HLFL-Ing. Josef Galler, LK Salzburg

Futterwert und Milchqualität – Heuwerbesysteme im Vergleich zur Silage
Präsentation Gruber
Univ.-Doz. Dr. Leonhard Gruber, HBLFA Gumpenstein

Bauliche und technische Heutrocknungssysteme 
Präsentation Kittl
Mag. Matthias Kittl, LK Salzburg

Technische Kennzahlen verschiedener Heutrocknungsverfahren
Präsentation Pöllinger
DI Alfred Pöllinger, HBLFA Gumpenstein

Raufutterernte am Steilhang –  Alternativen zu Hand- und Bandrechen
Präsentation Paar
Ing. Johannes Paar, Stv. Chefredakteur „Landwirt“, Graz

(Mäh-)Aufbereiter: Für und Wider
Präsentation Handler
DI Franz Handler, BLT Wieselburg

Ein marktfertiges Gerät zur Ampfer-Regulierung mit Heißwasser
Präsentation Latsch
Roy Latsch, Agroscope, CH

Wir schauen auf unsere Wiesen – Ein Projekt des ÖKL
Präsentation Steurer Angeringer
DI Barbara Steurer, ÖKL, und DI Wolfgang Angeringer, Landwirt und Pflanzenbauberater bei Bio Ernte Steiermark und LK Stmk.

Kammschwader als futterschonende Alternative
Präsentation Grundbichler
Fa. Josef Grundbichler, Kuchl

Praxisberichte zweier erfolgreicher Grünlandbetriebe
Harald Dürager, Obertrum; Biobetrieb mit Silage und Heubelüftung, Biogasanlage
Präsention Dürager
Hermann Schwärz, Nußdorf am Haunsberg; Heubelüftung
Präsentation Schwärz

Programm Kolloquium 2015

 

Ausführlicher Bericht ÖKL-Kolloquium 3.12.2014

Bericht von DI Gebhard Aschenbrenner, ÖKL

Im gediegenen Ambiente von Schloss Weinzierl des Francisco Josephinums fand das Kolloquium des ÖKL statt.

Im Rahmen seiner Begrüßung verwies der Obmann des ÖKL, DI Dworzak,  selbst Praktiker – darauf, dass ein Traktor im Laufe seines Lebens etwa so viele Kraftstoffkosten verursache wie seine Anschaffungskosten betragen. Jede Art der Einsparung sei also wichtig und die nachfolgenden Referate könnten dazu Aufschluss geben. Nur kursorisch besprach er eine Folie mit den beim Traktorenkauf wichtigen Punkten (Details – bis hin zum Anschluss für die Starthilfe vgl. übrige Kurzfassungen).

Der Direktor des Francisco-Josephinums verwies auf die Forschungstätigkeit der diesem zugehörigen BLT und zeigte sich erfreut über die große Teilnehmerzahl von 160 Personen, darunter auch 50 Lehrern und Beratern, für die das Kolloquium als Fortbildungsveranstaltung angerechnet wird. Wieder erfolgte die Ausschreibung in bewährter Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrarpädagogik.

Der von Dr. Karner (Josephinum Research, Forschungsgesellschaft im Verbund mit der HLBA) gehaltene Vortrag  konnte als Grundsatzreferat gesehen werden: Im Jahr 2012 wurden ca. 2 Mio. Traktoren um 40 Mrd € hergestellt; größter Markt ist Indien – mit entsprechend niedrigen PS-Zahlen. Die „Technologieführerschaft“ liegt aber in Europa; hier wurde auch der inzwischen weltweit verbreitete stufenlose Antrieb entwickelt. (Anm.: Um gleich auf die im Zusammenhang mit „stufenlos“ sich entwickelnde Diskussion einzugehen: vom überwiegenden Einsatzbereich Acker-Straße hängt ab, ob der Stufenantrieb weniger Treibstoff verbraucht; wichtig ist eine gute Abstufung zwischen 4 und 12 km/h)

Einen Kostennachteil für die Bauern jener Länder, die sich daran halten, stellen die immer rigideren Abgas(grenzwert)bestimmungen dar. Neben der Herstellung der abgasreduzierten Traktoren ist deren Betrieb teurer. Bisher, indem die niedrigen Emissionswerte entweder mit höherem Dieselverbrauch oder durch den Zusatz von AdBlue erreicht werden. Jetzt stehen Werte im Raum, die nur noch durch die Kombination aus beiden Systemen erreicht werden können. Während früher die Grenze zwischen Vier- und Sechszylinder bei etwa 90 PS lag, ist sie vornehmlich aus Kostengründen auf 150 PS gestiegen; die Hersteller lassen dem Kunden (in dessen Ohren  – Mehrverbrauch hin oder her – ein gleichstarker „Sechsender“ halt einfach besser klingt) im Übergangsbereich aber die Wahl. Das Eigengewicht der Traktoren steigt entgegen der Erwartung linear und nicht unterproportional mit der Leistung.

Einer kritischen Betrachtung unterzog DI Ewald Luger, von der BLT die „Unterschiedlichen Leistungsangaben beim Traktor“. Dabei  sind die Messbedingungen, welche die Lufttemperatur, den Luftdruck (nicht nur auf Meereshöhe umgerechnet, sondern unter Berücksichtigung des barometrischen Druckes) berücksichtigen, zunächst gleich. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die angesaugte Luftmenge und damit die Motorleistung mit der Höhe abnehmen.

Die Unterschiede liegen in den Prospektangaben, die unterschiedlich („realistische Messung“ – an einem Motor: ohne Kühlung, Luftfilter…?) als Vorrausetzungen haben. Vergleichbar ist letztlich nur die Messung an der Zapfwelle gemäß OECD. Leistung wird auch über die Hydraulik abgegeben und ebenso wenig wie der Verbrauch im „Bestpunkt“ bezüglich des Treibstoffverbrauches sagt die maximale Hubkraft aus – entscheidend ist die durchgehende Hubkraft. Darüber sollte auch Ing. Jaksch (vgl. unten) sprechen. Einen Exkurs unternahm DI Luger noch zu den Kabinen: Gemäß Norm wird ein einmaliger Überschlag simuliert – was aber, wenn in Österreich ein Traktor, sich mehrmals überschlagend, von einer Alm „herunterkugelt“? Unterschiedlich sind die Ansprüche an die Kabinenfilter, während die erste Stufe lediglich Staub abhält, bindet die vierte mittels Aktivkohle auch Dämpfe aus Pflanzenschutzmitteln.

„Besser keine als eine falsch ausgelegte“ Zwangslenkung für Anhänger war der Kernsatz hinsichtlich dieser Einrichtung, die bei richtiger Montage – in einer Ebene mit dem Zugpunkt – und Einstellung den Reifenverschleiß und letztlich auch den Treibstoffverbrauch reduziert. Sie wurde von Ing. Franz Schmalzl, einem Mitarbeiter des Herstellers Scharmüller vorgestellt; desgleichen die Anhängung am Kugelkopf, einer Erfindung dieses Herstellers, die sich weltweit für schwere Lasten (bis hin zur Ölplattform…) durchgesetzt hat. Die Stützlast am Traktor wird weniger von der Kupplung als von der zulässigen Hinterachsbelastung begrenzt. Dennoch ist parallel das „Maul“ nach wie vor Stand der Technik. Die Kontrolle, die sichere Verriegelung nur durch einen „Blick von oben“ (Taktorsitz) ist zu wenig! Der geringste Schaden ist ein gebogener Bolzen; während ein sich abkoppelnder, schwerer Anhängerzug ungleich schlimmere Folgen haben kann.

Ing.  Jaksch (John Deere/LTC)) rief das Funktionsprinzip der Regelhydraulik in Erinnerung und ging auf die Normen für den Dreipunktanbau ein.  (Anm.: das „Schultermaß“ ist auch für eine stabile Selbstführung des Pfluges wichtig, die nur erreicht wird, wenn die Unterlenker nicht parallel verlaufen. Am genauesten wird der Schlupf mittels Radarsensor gemessen. Die höchste Produktivität wird beim Radantrieb bei acht bis elf und beim Raupenantrieb bei drei bis fünf Prozent erreicht. Hier rief ein ehemaliger Konstrukteur des Herstellers Steyr im Zuge der Diskussion in Erinnerung, dass eine Zugkraftübertragung mit „Null Prozent“ Schlupf – außer bei einer Zahnradbahn – technisch nicht möglich ist. Unterschiedliche Ausführungen bis hin zur hyraulischen Lösung gibt es für die Seitenstabilisierung.

Das Referat von Ralf Kletzmayr kann im Zusammenhang mit dem vorausgegangen gesehen werden: Bei modernen Traktoren werden die Hydraulikpumpen in Abhängigkeit von der für den Betrieb der Geräte erforderlichen Menge und dem passenden Druck gesteuert. Ein wichtiger Effekt ist die Energieeinsparung. Case-Steyr setzt auf einen getrennten Ölhaushalt von Getriebe und Hydraulik mit dem Vorteil, dass das Öl aus fremden Anhängern sich nicht mit jenem vermischt, das die hohen Ansprüche an die Getriebeschmierung erfüllt. Dagegen sehen einzelne Mitbewerber mit gemeinsamem Haushalt Vorteile durch größere entnehmbare Ölmengen, dazu noch von nur einer Sorte. In Österreich werden auch Traktoren ausgeliefert, die gleichzeitig mit hydraulischer und Druckluftbremse ausgestattet sind.

Der Referent von GKN-Walterscheid ging auf die Sicherheitsanforderungen sowie die unterschiedlichen Ausführungen der Überlastsicherungen bei Gelenkwellen ein. Hier spannt sich der Bogen vom immer noch möglichen, einfachen  Scherstift über die Reibkupplung bis zur Ausführung mit „pulsierendem“ Drehmoment.

Allmählich wird in der bisherigen Ausführung mit ca. 500 kW eine Grenze der Leistungsübertragung erreicht. Da eine Änderung des Wellendurchmessers auch am Zapfwellenstummel am Traktor den größeren Aufwand bedeutet, liegt vorläufig eine Anhebung der Drehzahl auf 1500U/min nahe, einem Bereich, in dem sich allerdings Schwingungen zunehmend auszuwirken beginnen. (Anm.: Das immer noch übliche Keilnutenprofil wurde Mitte der zwanziger Jahre ausgehend von der Fa. Case für die damaligen Leistungen entwickelt und 1940 genormt).

Prädestiniert für das Thema ISOBUS und Elektrische Steckdose – Möglichkeiten für eine moderne Gerätesteuerung – waren sowohl die Dienststelle (BLT Wieselburg) als auch der Referent (DI Heinrich Prankl), denn in Wieselburg finden dazu regelmäßige Zusammenkünfte statt, wobei es um die Normierung der Systeme geht. Weit fortgeschritten ist der ISO-BUS zur Gerätesteuerung; in  sog. „Plug-Festen“ wird die Kompatibilität der Produkte der verschiedenen Hersteller überprüft. (Anm.: allerdings mit „virtuell“ zu steuernden, nicht tatsächlich vorhandenen Geräten. Mit real, willkürlich getauschten Traktoren und Geräten wurde dies in Österreich erstmals und bisher nicht nachgeahmt vom ÖKL bei dessen PLug-Fest zusammen mit der BLT  unternommen.)

Im Rahmen der AEF – der Agricultural Industry Electronics Foundation – wird derzeit eine Spezifikation für eine elektrische Steckdose am Traktor mit einer Leistung bis 150 kW und einem Spannungsniveau von 700VDC (Gleichspannung) bzw. 480 VAC (Wechselspannung) erarbeitet. Während John Deere auf Wechselstrom setzt, bevorzugt Fendt Gleichstromversorgung. Jedenfalls bietet der elektrische Anrieb neue Möglichkeiten, indem z.B. bei Schwadern lange Gelenkwellen entfallen oder einzelne Kreisel getrennt hochgeklappt bzw. mit unterschiedlicher Drehzahl betrieben werden können. Desgleichen gestaltet sich die Konstruktion von Triebachsen einfacher. Je nach Drehzahl-/Drehmomentanforderung kann eine Elektromotor unterschiedlich ausgelegt werden. Ein Standard-Elektromotor mit 15 kW / 3000 U/min wiegt über 100 kg. Bei Erhöhung der Drehzahl kann aber Größe und Gewicht deutlich reduziert werden.

Nach Ing. Sieberer stellt der Frontanbau von  Fronlader und -zapfwelle bei der heute üblichen konsolenlosen Ausführung eine Herausforderung dar: Es wirken (Anm.: weil diese von einem kürzeren „Hebel“ aufgenommen werden) erhöhte Kräfte auf Traktor und Gerät ein. Breite Reifen mit hohem Einschlag und der mitunter vorhandene Tank für Ad Blue vereinfachen die mittels finite-Elemente-Konstruktion zu findende Lösung nicht. Ein Firmen-Spezifikum ist das „Auto-lock-System“, der FL-Anbau ohne Absteigen vom Traktor. Die Frontzapfwelle wird getaktet eingeschaltet und ist z.T. mit einem Ölkühler ausgestattet. Die „Anbauten“ müssen zwar nicht typisiert werden, dennoch ist eine Bestätigung über die fachgerechte Montage erforderlich.

Die Anforderungen eines Praktikers bei Traktorkauf und Geräteanbau erläuterte Ing. Siegfried Sedlar, ein Praktiker, der ein Gut im Weinviertel bewirtschaftet. Innerhalb bestimmter Grenzen – wörtlich zu nehmen bei der Reifenbreite – lassen sich Bodenbearbeitung oder Pflegemaßnahmen und Transport  mit einem Traktor erledigen, wozu er kleineren Betrieben rät. Auch die für größere Betriebe übliche Regel „ein PS pro ha“ hat (untere) Grenzen, denn ein Betrieb mit 50 ha sollte demnach einen Traktor mit 50 PS verwenden. (Anm.: So kann indes beim Grubbern die geforderte Geschwindigkeit bei  gleichzeitiger Bearbeitung über die volle Traktorbreite nicht erreicht werden. Heckrotormähwerke erfordern nicht nur Kraft, sondern traktorseitiges Gegengewicht.) Sedlar ist es – abgesehen von der generellen Qualität des Services – wichtig, dass der Händler gegebenenfalls eine Leihmaschine zur Verfügung stellt. Ein Bild zeigte einen Rübenvollernter, der einen voll beladenem Anhänger vom Feld zieht. Etwas launig schloss Sedklar ab: Wenn der Traktor so gut ist, dass man für diesen kein Werkzeug und demnach keinen Werkzeugkasten braucht: dann möge man eben einen für die mitgeführten Maschinen vorsehen…

Das nächste Kolloquium widmet sich – voraussichtlich in Salzburg – der Mechanisierung im Grünland.