Afterwork am Bauernhof am 16. September 2016

afterwork-160916-eva-106gruppeAm 16. September 2016 lud das ÖKL zum 2. Afterwork am Bauernhof mit dem Schwerpunkt „Alles über Kühe, Milch und Käse“.

Rund 20 interessierte StädterInnen fanden sich zu einer Spritztour – raus aus der Stadt und rein ins ländliche Abenteuer – zusammen und tauchten in die Genusswelten der heimischen Landwirtschaft ein! Die lustige Landpartie führte uns zu drei sehr unterschiedlichen Betrieben, zu den Wurzeln unseres Essens und in die Produktion von Milch, Käse und Co. Die StädterInnen traten mit den Landwirtinnen in direkten Kontakt, erhielten Einblicke in die verschiedenen Produktionsschritte bei der Verarbeitung von Milchprodukten und lernten die Unterschiede zwischen biologischer und konventioneller Milchviehwirtschaft kennen. Umrahmt wurde das Programm durch hervorragende kulinarische Geschmackserlebnisse und einem informativen Wissensaustausch mit den LandwirtInnen, den ÖKL-ExpertInnen sowie den beiden BIO AUSTRIA-Experten Peter Liebentritt und der BIO AUSTRIA- Seminarbäuerin Monika Fellner.

Die unendliche Geschichte der Ku(h)lturlandschaft

Sanfte grüne Hügel, saftige Wiesen und Almen – Die österreichische Landschaft zeichnet sich bedingt durch Klima und Topografie durch einen sehr hohen Grünlandanteil aus. Jahrhundertelang gestalteten unsere Bäuerinnen und Bauern durch die Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden diese kleinstrukturierte Kulturlandschaft und schützten sie vor der natürlichen Verwaldung. Die Beweidung mit Wiederkäuern und die Milchwirtschaft spielen hier eine ganz besondere Rolle!

Die Rinderhaltung und Milchproduktion stellen den wichtigsten Zweig in der österreichischen Landwirtschaft dar – nicht nur in Hinblick auf die Erhaltung der Kulturlandschaft sondern vor Allem hinsichtlich der landwirtschaftlichen Wertschöpfung und Beschäftigung. In Österreich gibt es insgesamt 1,9 Millionen Rinder auf rund 63.500 Betrieben. Man unterscheidet in der Rinderhaltung grundsätzlich zwischen vier verschiedenen Produktionsformen: Rinderzucht, Rindermast, Mutterkuhhaltung und Milchviehhaltung. Letztere macht jedoch den weitaus größten Anteil der Betriebe  mit insgesamt rund 540.000 Milchkühen auf rund 31.000 Milchviehbetrieben aus. Pro Betrieb werden durchschnittlich 29 Rinder gehalten, wobei – wie generell in der Tierhaltung – ein starker Trend zur Konzentration hin zu immer größeren Betrieben wahrzunehmen ist. So findet man 50% aller Rinder auf Betrieben mit mehr als 50 Stallplätzen. Der größte Milchviehbetrieb in Österreich hat immerhin 350 Milchkühe!

afterwork-160916-eva-26Mit nur 20 Milchkühen tanzt der erste Afterwork-Betrieb von Johann und Gertraud Vonwald aus der österreichischen (Größen-)Reihe. Der Familienbetrieb und Bergbauernhof im niederösterreichischen Alpenvorland setzt neben der biologischen Milchwirtschaft auf kleinstrukturierte Vielfalt und Nachhaltigkeit.

Eine kurze Geschichte der Vonwald’schen Vielfalt

Nach einer Fahrt raus aus Wien und rein in den schönen Wienerwald werden die „AfterworklerInnen“ mit viel Herzlichkeit von Gertraud und Johann Vonwald auf ihrem Biohof begrüßt. Zwischen Wald und Wiese liegt der Betrieb der Familie Vonwald weitab von jeglicher Großstadt. Der Bus parkt im Schatten unter einem großen, alten Baum mit unzähligen kleinen, braunen Kugelfrüchten und sogleich tauchen die AfterworklerInnen in die Vonwald’sche Vielfalt ein. Dieser große, alte Baum ist nur einer von vielen Elsbeerbäumen in der Genussregion „ElsbeerReich“ im Wienerwald. Der Biohof Vonwald hat sich neben der biologischen Milchproduktion auf die Veredelung von Elsbeerprodukten spezialisiert. Aber genau wie die Milchproduktion im letzten Jahr dem enormen Preisdruck ausgesetzt war, ist auch die Elsbeerproduktion mit großen, schwer vorhersehbaren Risiken verbunden. Die Elsbeerernte variiert aufgrund der Witterung von Jahr zu Jahr sehr stark, dieses Jahr ist zum Beispiel kein besonders Gutes. Hinzu kommt, dass es nicht nur der Mensch auf die kleinen Beeren abgesehen hat, auch die Vögel können es kaum erwarten bis die Beeren reif sind. Für die Veredelung zu rund 2 Litern Schnaps brauchen die Vonwalds knapp 100 Liter Maische. Heuer wird es bei den Vonwalds leider keinen Elsbeeredelbrand geben!

afterwork-160916-eva-85kuhAber zurück zu den Kühen und zur Milch. Die Familie ist überzeugt von der biologischen Milchproduktion mit Vollweidesystem. Das heißt, die Kühe können vom Frühjahr bis in den Herbst auf der Weide stehen und das frische Weidegras fressen. Sie haben aber auch jederzeit die Möglichkeit sich in den offenen Laufstall zurückzuziehen. Dort bekommt jede Kuh zusätzlich Heu und Grassilo  in einer vollautomatischen Fütterungsanlage. Mithilfe eines Mikrochips kann so für jede Kuh die genaue Menge an zusätzlichem Kraftfutter entsprechend ihrer Bedürfnisse und leistungsgerecht  verabreicht werden.

Neben der vollautomatischen Fütterungsanlage hat der Biohof Vonwald auch eine hofeigene Heutrocknungsanlage sowie eine Hackschnitzelheizung und Solarpanels am Dach. Die Nachhaltigkeit steht hier am Betrieb ganz oben! Der Biohof ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass eine biologische Produktion auch ganz modern und unter Einsatz effizienter Technik funktionieren kann und muss. Und Johann Vonwald denkt bereits weiter und träumt von seinem ersten Elektro-Traktor…
www.vonwald.net

Nach einem frischen Glas Milch ging es mit dem Autobus weiter …

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Vom Andersmachen und Vordenken, vom Miteinander und Füreinander der Wilhelmsburger Hoflieferanten

Gemeinsam leben, gemeinsam arbeiten! – Unter diesem Motto haben sich 1995 sechs landwirtschaftliche Familienbetriebe  zu den „Wilhelmsburger Hoflieferanten“ zusammengeschlossen. Das Ziel der Gemeinschaft war die regionale Zusammenarbeit und Wertschöpfung zu stärken und regionale Produkte von ausgezeichneter Qualität zu veredeln und zu vermarkten. Während die Hoflieferanten zu Beginn lediglich regionale Schulen und Kindergärten mit den Milchprodukten aus eigener Erzeugung belieferten, ist ihre vielfältige Produktpalette heute in über 300 Sparmärkten in Niederösterreich, Wien und dem Nordburgenland erhältlich – eine wahre Erfolgsgeschichte also!

Die Vielfalt wird auch auf dem konventionellen Bertlhof der Wilhelmsburger Hoflieferanten nicht klein geschrieben. So konnten die AfterworklerInnen neben dem Milchvieh auch Bekanntschaft mit Kärtnerbrillenschafen, Bergzwergziegen und Alpakas machen. Es herrscht ein sehr reges Treiben am Bertlhof, welcher als Schule-am-Bauernhof und Seminarbauernhof ganzjährig für Groß und Klein geöffnet ist. Neben dem Kennenlernen der tierischen Vielfalt am Bertlhof, erhielt unsere Landpartie auch Einblicke in die Verarbeitung und Veredelung von Milchprodukten. In der Schauproduktion der hofeigenen Molkerei konnten wir die einzelnen Produktionsschritte von Joghurt, Topfen und Käse genau beobachten und kennenlernen.

afterwork-160916-eva-114Für die Hofmolkerei gelten die gleichen hohen Standards wie für Großmolkereien; unangemeldete Kontrollen eingeschlossen. In einem Verarbeitungsraum  herrscht leichter Luftüberdruck, um das Eindringen von Keimen zu reduzieren

In der Hofmolkerei werden seit Kurzem auch Fruchtjoghurts mit Zutaten, die zu 100 % aus Österreich stammen, erzeugt. Die Marillen kommen aus der Wachau, die Dirndlfrüchte aus der Region! Die Hoflieferanten legen viel Wert darauf, in ihren Produkten ein Stück Heimat zu verarbeiten und das schmeckt man auch!

Zum Abschluss gab es im Hofladen des Bertlhof noch eine g’schmackige Verkostung der vielzähligen Käsespezialitäten. Vom feinbröseligen Bauerntopfen, über den geräucherten und prämierten Traisentaler Hofkas bis hin zur Ziegenfrischkäse-Dirndlroulade waren hier so einige Gaumenfreuden mit dabei!

www.hoflieferanten.at

Die Geschichte vom Mülli Distl, der lieber Wein statt Mülli wollt‘

afterwork-160916-oekl-48Zurück in stadtnäheren Gefilden begeben wir uns zu unserem letzten Afterwork-Betrieb, dem Weinbaubetrieb vom „Mülli Distl“ Martin Distl. Aber was hat nun ein Weinbaubetrieb mit der „Mülli“ – also der Milch – zu tun?

Während rinderhaltende Betriebe am Land in den meisten Fällen noch genügend Weide- und Futterfläche zur Verfügung haben, haben es die Stadtlandwirte in Wien schon etwas schwerer. Die Landwirtschaft von Familie Distl, war ursprünglich ein Betrieb mit etwas Ackerbau, Weinbau und Milchkuhhaltung. Aus dieser Zeit stammt auch der alte Hofname „Mülli Distl“. Aufgrund der zunehmenden Verbauung und Flächenversiegelung, der begrenzten Infrastruktur für landwirtschaftliche Tätigkeiten und dem enormen Arbeitsaufwand in der Milchkuhhaltung, der bei kleineren Beständen relativ zunimmt, traf Martin Distl im Jahr 2002 die schwierige Entscheidung, die Milchproduktion einzustellen und von nun an nur noch Qualitätswein auf seinen Flächen zu produzieren.

Der Weinbaubetrieb von Martin Distl befindet sich inmitten dicht bebautem Stadtgebiet in Wien-Rodaun. Seine Weinbauflächen liegen zwar in den Gunstlagen des Wienerwaldes, jedoch in größerer Entfernung zum Betrieb und sehr verstreut. Diese Umstände bedeuten auch heute noch einen sehr großen Arbeitsaufwand für den Weinbauern und bei der Weinernte muss er mit seinem Traktor so einige enge Stadtstrecken bewältigen. Die Infrastruktur macht es den StadtlandwirtInnen oftmals nicht leicht.

Martin Distl ist ein überzeugter konventionell wirtschaftender Weinbaubetrieb. Er steht dem biologischen Weinbau sehr kritisch gegenüber, das merkt man ihm sofort an. Nichtsdestotrotz legt er auch bei seinen Weinstöcken viel Wert darauf, ihnen nur das zu geben, was sie brauchen. Zu viel Düngung kommt auch in seinen Weingärten nicht in Frage! Als „kontroversen“ Aspekt nennt er das im Biolandbau nach jedem Regen und auch bei nassem Boden erforderliche erneute Befahren zur Applikation der (im Biolandbau erlaubten) Kupferbrühe, die zudem den Schwermetallgehalt im Boden erhöht.  Auch am Weinbaubetrieb von Martin wird die Vielfalt ganz groß geschrieben! In seinen Weingärten kultiviert  er rund 15 verschiedene Rebsorten: vom regionaltypischen Rotgipfler bis hin zum süßen Gelben Muskateller und Grünen Veltliner. – Die Seminarbäuerin Monika Fellner von BIO AUSTRIA vertrat im Zuge einer Diskussion engagiert ihren Standpunkt. Am Umstand, dass konventionelle Wirtschaft vermehrt  fossile Rohstoffe verbraucht, ist nicht zu rütteln; wenngleich auch im Biolandbau Traktoren verwendet werden.

Bei so vielen Geschmacksrichtungen erleben die AfterworklerInnen bei der abschließenden Weinverkostung wahre Gaumenfreuden und einen wahrlich g’schmackigen Abgang unserer Landpartie!

www.weinbau-distl.at

Durch das Programm führte Stephanie Köttl!

Programm
14:00    Treffpunkt Vorplatz Bahnhof Hütteldorf
15:00    Betriebsführung am Biohof von Johann & Gertraud Vonwald in Michelbach
17:00    Betriebs- & Molkereiführung am Bertl-Hof in Wilhelmsburg
19:30    Weinverkostung & Heurigenjause  am Weinbaubetrieb von Martin Distl in Wien Liesing

Programm [pdf]

Leistungspaket
+ Busfahrt Wien – Michelbach – Wilhelmsburg  – Wien
+ Betriebs- und Molkereibesichtigung
+ 2 Verkostungen von Milchprodukten der Betriebe
+ tiefer Einblick in die biologische und konventionelle Produktion von Milchprodukten
+ Einblicke in die Vermarktung von Milchprodukten der Wilhelmsburger Hoflieferanten
+ fachliche Beantwortung aller Ihrer Fragen von den Landwirten und einem Experten von BIO AUSTRIA NÖ-Wien
+ Weinverkostung und Winzerjause

In Zusammenarbeit mit:

Logo BP WWLogo BIORAMABioaustria wien noe

 

 

Diese Veranstaltung wird unterstützt vom NÖ Landschaftsfonds.

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