Wanderung von Hof zu Hof

Ein Landpartie auf den Spuren der heimischen Landwirtschaft

ÖKL & Alpenverein Austria, Natur- und Umweltschutzgruppe

Am 11. Juni 2017 fand bei schönstem Vatertagswetter die von ÖKL und Alpenverein Austria gemeinsam organisierte „Wanderung von Hof zu Hof“ im Süden Wiens bei Puchberg am Schneeberg statt. Im Zuge der gemütlichen Wanderung erkundete die Gruppe die vielfältige Kulturlandschaft rund um den Schneeberg, begab sich auf die Spuren der heimischen Lebensmittelproduktion und erhielt die Möglichkeit mit den Landwirtinnen und Landwirten vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Ku(h)lturlandschaft erleben und schmecken

Was ist der Unterschied zwischen „Bio“ und „konventionell“? Wie viel Milch gibt eine Kuh? Und was muss sie dafür fressen? Was hat die Landwirtschaft mit der heutigen Kulturlandschaft zu tun? Welche Besonderheiten gibt es in den Wiesen zu entdecken? Dies sind nur einige Fragen, die uns im Laufe der Wanderung von den LandwirtInnen und LandwirtschaftsexpertInnen beantwortet wurden.

Entlang des Weges öffneten uns so manche landwirtschaftliche Betriebe ihre Stalltüren und gewährten Einblick in die Milchproduktion, Mutterkuhhaltung und Grünlandbewirtschaftung. Auch die Kulinarik kam nicht zu kurz: Hausgemachte Schmankerl und das eine oder andere Glas frischer Kuhmilch sorgten für die notwendige Stärkung – Ku(h)lturlandschaft erleben und schmecken!

Am Biohof von Thomas Stickler erhielt die Gruppe Einblicke in die biologische Milchproduktion und Milchviehhaltung. Der „Radlerhof“ der Familie Stickler wird seit 150 Jahren generationenübergreifend im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die derzeit 12 Milchkühe werden im Sommer jeden Morgen vom Anbindestall auf die Weide getrieben, dort bekommen sie ihr frisches Futter im Schatten der alten Apfelbäume. Die Kälber werden im Laufstall auf Stroh gehalten und waren besonders bei den jungen Wanderern sehr beliebt.

Beim zweiten Betrieb erkundete die Wandergruppe die bunte Wiesenvielfalt und machte sich Gedanken zur abgestuften Wiesennutzung. Mit rund 40 gezählten Wiesenblumen und -gräsern konnte die Gruppe die Vielfalt – ergänzend  zum emotionalen Stellenwert – auch nummerisch in Wert setzen. Die Betriebsführerin Anna Stickler gab den TeilnehmerInnen außerdem Einblicke in die Mutterkuhhaltung und Ochsenmast.

Naturschutz durch Landwirtschaft – funktioniert!

Die Kulturlandschaft, wie wir sie heute in der Schneebergregion vorfinden, ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Sie ist durch die regionaltypische Grünlandwirtschaft und Viehhaltung bis heute geprägt und kann auch zukünftig nur durch diese erhalten werden. Unsere heimischen Landwirtinnen und Landwirte leisten durch ihre alltägliche Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieser bunten Erholungslandschaft, pflegen diese und erhalten eine Vielfalt an Strukturen. Für ihre Leistungen zur Erhaltung und Pflege extensiver Wiesen und für den Naturschutz erhalten die Landwirte im Rahmen des Österreichischen Programmes für eine umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) eine entsprechende Abgeltung. Diese Abgeltung entspricht dem entgangenen Gewinn bei extensiver Nutzung (1-2 maliger Schnitt/Jahr) im Vergleich zur intensiven Nutzung (bis zu 5maliger Schnitt/Jahr).  

Puchberg am Schneeberg ist eine Modellregion für den Abgestuften Wiesenbau – das heißt unterschiedliche Wiesen werden in unterschiedlichen Intensitäten entsprechend der standörtlichen Gegebenheiten bewirtschaftet. Die Wiesen in den Gunstlagen mit sehr hohem Ertrag werden intensiv genutzt, die Wiesen mit geringem Intensivierungspotenzial und von Haus aus wenig Ertrag werden extensiver genutzt. So entsteht ein buntes Mosaik an Grünlandbeständen mit der jeweils standörtlich optimalen Nutzung. Davon profitiert insbesondere auch die biologische Vielfalt!

Durch den Kauf heimischer Milch- und Fleischprodukte unterstützen KonsumentInnen also nicht nur unsere heimischen Bäuerinnnen und Bauern, sondern auch die Erhaltung unserer wertvollen Kulturlandschaft!

Die Wanderung von Hof zu Hof gliedert sich in die ÖKL-Exkursionsreihe „Afterwork am Bauernhof“ ein. StädterInnen und KonsumentInnen begeben sich auf die Spuren der heimischen Landwirtschaft und lernen die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft hautnah und im Gespräch mit den Bauern kennen!