Land & Raum 3 2010

Die Herbstausgabe 2010 von Land & Raum widmet sich dem Themenkreis Alpen & Almen.

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Österreichs Landwirtschaft und ländliche Räume sind vielgestaltig. Schlagkräftige Produktions-regionen sind nur ein Teil unseres kulturlandschaftlichen Mosaiks, genauso wie zahlreiche noch einer ‚traditionellen Vielfalt‘ zugehörende Gebiete mit kleinbäuerlicher Struktur. Etwa ein Fünftel des Staatsgebietes nehmen die Hochlagen der Ostalpen ein, von denen rund die Hälfte Ödland bildet, ein Drittel aber landwirtschaftliche Bedeutung hat. Dabei handelt es sich nicht mehr um dauernd bewohnten Lebensraum, sondern, und das wohl mehr in historischer Sicht, um eine Kampfzone zwischen Kultur- und Naturlandschaft. Doch auch hier hofften die Menschen auf eine ’nachhaltige Zukunft‘, als sie im Mittelalter die Schwaighöfe gründeten, und von hier mussten sie wiederum weichen, als eine ‚Kleine Eiszeit‘ vor rund 400 Jahren ihre Hoffnungen zunichte machte.

Doch mehr als die Naturkräfte der Hochlagen beschränkte der Prozess der Intensivierung der Agrarerzeugung im vergangenen Jahrhundert die Bedeutung der Almen. Sie liegt, gemessen am Produktionsertrag, heute nur noch zwischen 2 und 5%, während sie vor der Mechanisierung der Landwirtschaft wohl zwischen 20 und 30% betragen haben dürfte. Doch erst die sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche vergangener Jahrzehnte, besonders der Aufschwung der Tourismuswirtschaft, machen besser verständlich, weshalb die Almregionen heute mitunter wesentlich mehr in außer-agrarischen Bereichen leisten als in agrarischen.

Land & Raum nimmt sich nun der aktuellen Vielfalt dieses Themas an. Die Beiträge spannen einen weiten Bogen über einen Großteil des Geschehens in Österreichs Höhenregion. Ein Überblick von Franz Greif und Astrid Riemerth versucht, sowohl die agrarischen Produktionsbeiträge als auch die vielen sonstigen Leistungen der Almen zu systematisieren und auch monetär zu bewerten.

Günther Schickhofer beleuchtet die Alpen als Naherholungsraum, den sie vor allem für die Bevölkerung zahlreicher Großstädte am Alpenrand darstellen. Und direkt in den Bereich der Umsetzungspolitik spielt der Beitrag von Helmut Kudrnovsky über das Ziel des niederösterreichischen Landschaftsfondsprojektes ‚Stärkung der Alpenkonvention in Niederösterreich‘. Im Zentrum dieses Projektes steht ein ‚Vademecum‘ mit kompakt aufbereiteten Inhalten, die dieses Bundesland betreffen.

Den unterschiedlichen Funktionen von Almen dienen seit geraumer Zeit auch Förderungen, denen Barbara Steurer nachgeht. Sie stellt vor, wie der Evaluierungsteil ‚EVALM‘ (als Teilprogramm der laufenden Evaluierung des Programms zur ländlichen Entwicklung) Auswirkungen des Einsatzes öffentlicher Gelder auf die Almwirtschaft untersucht und belegt. Ein weiteres Förderungselement, nämlich die ‚Bildungsoffensive multifunktionale Almwirtschaft‘, ist Anliegen von Susanne Rest, die die diesbezüglichen Aktivitäten des LFI in den letzten Jahren aufzeigt. Zum Bereich Bildung gehört auch das ‚Volontärprogramm im Nationalpark Hohe Tauern‘, welches Marcel Kamiesh Singhal beschreibt. Es handelt sich um eine Aktion für Studierende u.a. der Biologie, Ökologie und Geographie, bei welcher freiwillige Dienste für die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit Studienprogrammen geleistet und durchgeführt werden.

Planungsfragen sind auch in der Höhenregion ein weiteres wichtiges Thema, welchem zwei Beiträge gewidmet sind. Tina Dutzler und Kim Meyer-Cech geben einen interessanten Überblick über die touristischen Hüttendörfer in Österreich und diskutieren auch ihre raumrelevanten Auswirkungen. Der Tatsache der zunehmenden Verhüttelung auch der Höhenregionen widmet sodann der Österreichische Alpenverein seine Initiative der ‚Bergsteigerdörfer‘. In formellen Kooperationsverträgen zwischen Gemeinden und dem ÖAV verpflichten sich die Partner auf Qualitätskriterien zur Bewahrung landschaftlicher Schönheiten sowie auf tragbare touristische Infrastrukturen, wie Roland Kals berichtet.

Für Medienpräsenz von Almgebieten sorgt schließlich die ‚Karawane Superalp!‘, zu der das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention eine international besetzte Gruppe von Medienleuten einlädt.

Thomas Mitterstöger berichtet über die diesjährige 4. Karawane quer über die Alpen von Monaco bis Maribor, welche Anfang September Lunz am See erreichte. Für die jeweilige lokale Bevölkerung entlang der Route bietet sich dabei die Möglichkeit zu einem thematisch vielfältigen Erfahrungsaustausch über Grenzen hinweg.

Medienbeachtung fanden weiters auch die 100-Jahrfeiern zur Entdeckung der Dachstein-Rieseneishöhle in Obertraun. Brigitte Macaria und Arthur Spiegler nehmen dies zum Anlass, ein wirtschaftshistorisches Bild von der Dachsteinregion zu zeichnen.

(Editorial von Franz Greif)