Land & Raum 2016 2 Konsumenten & Produzenten

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KonsumentInnen und ProduzentInnen – eine Annäherung.

Land & Raum 2 2016 Konsument ProduzentSo lautet der Titel der Sommerausgabe von Land & Raum, die sich mit der Beziehung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen von Lebensmitteln ein sehr heikles Thema vorgenommen hat. An sich sollte man ja glauben, dass in Zeiten der globalen Kommunikation sowohl die Kenntnis voneinander als auch ein gewisses Verständnis füreinander relativ leicht zu erreichen sind. Leider zeigt sich im Gegenteil bei den Konsumenten oft großes Unwissen vom Tun und Lassen der Bauern. Und auch der „ganz bewusste“ Konsument weiß oft wenig von Vorgängen auf den Agrar- und Lebensmittelmärkten.
Was zum Beispiel die Preisbildung bei Agrarprodukten anbelangt, so fällt den wenigsten auf, welch unsinnige Diskrepanzen hier auftreten, etwa wenn Milch billiger ist als Wasser oder Sojaprodukte (ein wichtiges Viehfutter) mehr kosten als Fleisch. Die österreichische EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger prangert die Schleuderpreispolitik auf Kosten der Landwirte an und bezichtigt Handelskonzerne, die nachhaltige Nahrungsmittelherstellung zu torpedieren, wenn sie „Milch und Fleisch als Lockmittel unter dem Einstands­preis verscherbeln“.

Diese Momente der Verunsicherung von KonsumentInnen können in „Land und Raum“ immerhin in Ansätzen behandelt werden. So beschreibt zunächst Werner Beutelmeyer den Konsumenten der Zukunft als Produkt von Kräften eines nachhaltigen gesellschaftspolitischen Wandels, als dessen „Megatrends“ er Verstädterung, Gesundheitstrends, Individualismus gepaart mit Smartness und Vertrauensverluste ortet.

Aufklärung über die Arbeit der Produzenten leistet „Afterwork am Bauernhof“ des ÖKL, erläutert von Stephanie Köttl. Interessierte Städter lernen Betriebe kennen und bekommen jede Menge Fragen beantwortet, die sich auf Feldfrüchte, Fütterung, Nutztierrassen oder auch biologische Methoden beziehen.

Ein Kernthema der thematischen Annäherung ist die Vision eines „fairen“ Handels. Elisabeth Wallner skizziert die Ziele von „Fairtrade Österreich“, Ungleichgewichte im globalen Handel abzubauen, die durch schwierige, unsoziale und ausbeuterische Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern entstehen. Die Strategie von „Fairtrade International“ versucht letztlich ja, den Weg von Kleinbauern und Plantagenarbeitern in ein gutes und selbstbestimmtes Leben zu erleichtern.

Eine Schulinformationsaktion über landwirtschaftliche Zusammenhänge, Produkte und Leistungen, über die Maresa Gallauner berichtet, geht vom Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum aus. Die Thematik wird methodisch altersgerecht und „multimedial“ aufbereitet und von der Jugend engagiert aufgenommen.

Ronald Würflinger berichtet von der Tätigkeit der gemeinnützigen Privatstiftung „Blühendes Österreich“, ins Leben gerufen von REWE International zur Erhaltung der Biodiversität.

Den direkten Kontakt, in eher kleinerem Rahmen, beschreiben Sandra Panhuber und Stefanie Moser in ihrem Beitrag zur Lebensmitteleinkaufsgemeinschaft GuaT – „Gutes aus Taiskirchen“. Bislang sind es 60 Mitglieder, die gemeinsam von 26 bäuerlichen Produzenten im Inn­viertel an die 350 Produkte aller Art einkaufen.

Heimische Produktion wird auch von Großvermarktern geschätzt – hier abschließend am Beispiel von McDonald’s Österreich. Diese Kette nutzt sichtlich das Image einer bewussten regionalen Verankerung ihres Bezugsnetzes, in der auch Qualitätsbewusstsein, der Verzicht auf ein Niedrigstpreisniveau und ein Informationsprogramm für den Kunden über die Qualitätsschiene des „M-Rindes“ enthalten sind, wie Ursula Riegler darlegt.

Eine angenehme Lektüre und einen erholsamen Sommer wünscht
Ihr Franz Greif

(Editorial)