LTS 215 Landwirtschaftliche Biogasanlagen

LTS 215 Landwirtschaftliche Biogasanlagen

2. Auflage 2007

Die Errichtung von landwirtschaftlichen Biogasanlagen ist zu begrüßen, denn die so dezentral erzeugte Energie ist CO2-neutral, sichert bei der Errichtung und im laufenden Betrieb Arbeitsplätze im ländlichen Raum und garantiert eine Wertschöpfung für den Landwirt, nachdem der Markt für die Veredelung seiner traditionellen Produkte gesättigt ist.

Die Errichtung einer derartigen Anlage ist eine äußerst kapitalintensive Investition ˆ das Funktionieren und damit die Amortisation setzt eine sorgfältige Planung voraus. Für den Betrieb ist ein Hineindenken in das Funktionsprinzip dieses ≥künstlichen Kuhmagens„ in Form des Fermenters und hoher persönlicher Einsatz erforderlich, denn kein System gleicht dem anderen vollkommen. Deshalb muss jede Anlage individuell auf das Gärsubstrat abgestimmt werden. Die Einspeisungstarife sind weitgehend festgelegt und es gilt jene Bereiche zu optimieren, auf die der Landwirt Einfluss nehmen kann.

Neben der Gülle können auch geeignete Kulturen (häufig Mais), verwendet werden, wobei deren züchterisches Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Bei der Vergärung nicht in der Landwirtschaft erzeugter Substrate (aus Industrie, Gewerbe oder von Gemeinden) ist u.a. auf deren Schwermetallgehalt zu achten ˆ nicht nur unter dem Aspekt, dass sie den Prozess hemmen können, sondern auch darunter, dass das Endsubstrat in der Regel auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird. Biogas wird derzeit meist durch Gasmotoren in Blockheizkraftwerken verstromt. Jüngere Entwicklungen sind der Einsatz von Stirlingmotoren und von (Mikro-)Gasturbinen. Die Generatoren haben einen hohen technischen Stand erreicht, sodass der Gesamtwirkungsgrad weitgehend von der Antriebseinheit bestimmt wird. Zwangsläufig entstehen für jeweils ein kW elektrische Energie zwei kW Wärme, wobei diese nur teilweise für die Erwärmung des Substrates genutzt werden kann. Somit ist eine Kraft-Wärme-Kopplung sinnvoll.

Keine Abwärme entsteht, wenn das Biogas gleich in das Erdgasnetz eingespeist wird, dafür sind allerdings dessen Reinigung und die Erhöhung seines Methangehaltes notwendig. Weiters muss der Druck auf jenen im Netz erhöht werden.

img_lts 215:
Biogasanlage in Hollern, NÖ, Foto: M. Gollner, ÖKL

Das ÖKL hat auf Grundlage von zwei Dissertationen (Universität für Bodenkultur) die Landtechnische Schriftenreihe Nr. 215 ≥Landwirtschaftliche Biogasanlagen„ neu herausgebracht (2. Auflage). Sie hat A4-Format, umfasst 116 Seiten und enthält zahlreiche Tabellen, Skizzen und Fotos.

Preis: Euro 12,00

Bestellungen z.B. unter Tel: 01/505 18 91

Aus dem Inhalt:

Nach einleitenden Bemerkungen zur Bedeutung der Biogastechnologie und zum Stand der Biogaserzeugung in Österreich wird auf die aktuelle rechtliche Situation eingegangen (Ökostromgesetz, Ökostromverordnung, Erlass zur Anerkennung von Biogasanlagen). Im Kapitel Grundlagen der Biogaserzeugung werden die Arbeitsweise einer Biogasanlage, die anaerobe Gärung, die Betriebsparameter und die Gasbildungspotenziale beschrieben, weiters die Zusammensetzung und Eigenschaften von Biogas, Qualitätsanforderungen und Techniken zur Gasaufbereitung.

Weiters wird auf die Möglichkeiten zur Biogasnutzung (energetische Nutzung, Einspeisung in das Erdgasnetz, Nutzung als Treibstoff, Nutzung in Brennstoffzellen) und auf die unterschiedlichen Substrate eingegangen.

Im technischen Teil werden die Verfahren der Biogaserzeugung (Prozesstemperatur, Prozessstufen, Art der Beschickung, Trockensubstanzgehalt), die Fermenterbauarten der Nassfermentation (Pfropfenstromfermenter, volldurchmischter Fermenter, Doppelkammer-Fermenter, Fermentergröße) und die Aufbereitung und Lagerung der Gärrohstoffe beschrieben.

Bei den Einbringsystemen wird zwischen Pumpen für pumpfähige Substrate und Systemen für stapelbare Substrate unterschieden; bei den Rühreinrichtungen gibt es mechanische, pneumatische und hydraulische Durchmischer. Wichtige Informationen gibt die LTS auch zur Gasspeicherung und zur Gärrestlagerung und -aufbereitung sowie zur Wirtschaftlichkeit. Mittlerweile kommt es ˆ zumindest in Deutschland ˆ zur Konkurrenz um das Substrat unter den Anlagenbetreibern, umso wichtiger ist es, eine optimale Anlage zu errichten und deren Wirtschaftlichkeit im Voraus abzuschätzen.

Text: Gebhard Aschenbrenner