Bericht zum Seminar Maschinenkosten optimieren

P1060038Maschinenkosten optimieren

Das ÖKL weitet seine Seminar-Tätigkeit aus und so ist es folgerichtig, wenn nach jenen über Düngerstreuer, Pflüge, Feldspritzen und Mähdrescher (geordnet nach Kapitaleinsatz, beim Mähdrescher muss schon sehr gründlich kalkuliert werden…) auch einmal deren Kosten betrachtet wurden. Bekanntlich investieren die Bauern in die Maschinen annähernd den Betrag, der für das Bauen verwendet wird.

Das Seminar „Maschinenkosten optimieren“ wurde unter Berücksichtigung der nach Regionen zu erwarteten Teilnehmer in den Landwirtschaftskammern in Linz und St. Pölten sowie an der Versuchswirtschaft der BOKU abgehalten.

Wieder einmal ließ das ÖKL den Blick von außen auf die Dinge werfen und hat in der Person von DI Friedrich Stute dazu einen Referenten des in der Branche ältesten und immer noch namhaften „Beratungsbüros Göttingen“/D gewonnen. Seine Zahlen hatten teilweise andere Größenordnungen als die in Österreich gewohnten, was aber der Aussage keinen Abbruch tat, sondern den Effekt der „Economy of scale“, also der „Größenkostenersparnis“ umso mehr vor Augen führte. Das bedeutet nicht, dass Stute in der Größe den alleinigen Weg sah; vielmehr wies er darauf hin, dass bei mangelnder „Zukunftsfähigkeit“ nach Alternativen gesucht werden muss. Eine Möglichkeit stellen Kooperationen dar, in denen beispielsweise ein Schweinemäster mit einem Ackerbaubetrieb zusammenarbeitet und einen längerfristig relativ fixen Preis für sein Getreide erhält und den mittlerweile jährlich stark schwankenden Getreidepreisen weniger unterworfen ist. Dafür lagert er den Ackerbau an den Partnerbetrieb aus, dessen Betriebsführer die Außenwirtschaft möglicherweise ohnehin mehr liegt.

Stute sprach von seiner Beratungspraxis, wobei er regelmäßig ein mangelndes Kostenbewusstsein nach der Überlegung: „der Traktor ist ohnehin da; Kosten entstehen für Reparatur und Dieselöl….“ feststellte. Dabei sind gerade bei geringer Auslastung die fixen Kosten überproportional hoch. Neben diesen Kosten dürfen die Terminkosten, also solche, die dadurch entstehen, dass die Ernte mangels eines verfügbaren Dreschers nicht zum optimalen Zeitpunkt erfolgen kann, unterschätzt werden. Wenn eine eigen Maschine vorhanden ist: eine aus dem „Billigsegment“ kann auf Dauer aus Sicht der Reparatur – und der Ausfallkosten doch teuer werden, wobei letztere beim Drusch 250 bis 500€ in der Stunde erreichen können.

Stute ging auf den zunehmend verwendeten Begriff der „direktkostenfreien Leistungen“ ein. Die Direkt- und arbeitserledigungskostenfreie Leistung wird berechnet, indem von der Marktleistung die Direktkosten und die fixen und variablen Arbeitserledigungskosten abgezogen werden. Sie trägt zur Deckung der verbleibenden fixen Kosten (Gebäude-, Flächen-, Rechte-, Allgemeine Kosten/Unternehmensführung) bei. Da in dieser Kennzahl im Gegensatz zum Deckungsbeitrag auch die fixen Arbeitserledigungskosten (= fixe Kosten der Arbeitsmittelund fixe Lohnkosten) berücksichtigt sind, spiegeln sich in ihr die Effekte der Auslastung der Arbeitsmittel wider.

In der Diskussion um den Unterschied zum Deckungsbeitrag setzte ein Betriebswirt der LK NÖ auseinander: Im Rahmen der Planungsrechnung (Betriebsplanung, Pachtpreiskalkulation) wird häufig mit Hilfe der Deckungsbeitragsrechnung –welche die anteiligen fixen Kosten nicht berücksichtigt – gearbeitet. Da es in der österreichischen Landwirtschaft wenig betriebswirtschaftliche Aufzeichnungen gibt, hat der Deckungsbeitrag eine vergleichsweise hohe Bedeutung

Sorgsam zu kalkulieren ist der Pachtpreis und man sollte sich nicht durch Prestigedenken zum „mit lizitieren“ verleiten lassen. Wer dagegen „Entsorgungsflächen“ für seine Gülle sucht, kalkuliert anders und hat nicht nur den Deckungsbeitrag der darauf angebauten Kultur im Auge.

Von Seiten des ÖKL wurden die ÖKL-Richtwerte für Maschinenselbstkosten, die seit über 50 Jahren veröffentlicht werden, in ihrer Herleitung vorgestellt, um nach den ersten Teilvorträgen von Stute die Basis für die Berechnung der Beispiele zu verbreitern. An allen drei Tagen wurde der Wert bei den fixen Kosten für die Verzinsung für das eingesetzte Eigenkapital hinterfragt und teilweise als (zu) hoch eingeschätzt. Die Zinsen sind aber nicht immer so niedrig gelegen und die Abschreibungszeitraun eines Traktors nach ÖKL-Richtwerten beträgt ca. 17 Jahre. Die Alternative sind also nicht die Zinsen bei einer kurzfristigen Kapitalbindung. Stute ging noch weiter: Genaugenommen müsse man als Alternative für ein relativ lange genutzte Maschine die Geldanlage in eine Wohnung sehen, die man vermietet: dort erwartet man auch fünf bis sechs Prozent!

Die „Variablen“ beinhalteten die Reparatur- und Treibstoffkosten. Der Prozentsatz für erstere deckt sich mit jenen des KTBL (Der Entsprechung des ÖKL in Deutschland), der an sich idente Ansatz für den spezifischen Verbrauch wird beim ÖKL um einen Faktor für Schmiermittel erweitert. Wenn als Literpreis für Dieselöl das jeweils letzte Quartal des Vorjahres herangezogen wird, stellt dies einen guten Kompromiss gegenüber einem während des Jahres öfter angepassten, aber gegenüber der Sozialversicherung schwer dokumentierbaren Werten dar. (Anm.: Den Beziehern der elektronisch übermittelten, veränderbaren Werte ist es möglich, eigene Werte einzusetzen). Was beim scheinbaren Kostenvorteil für eine Großbestellung nicht vergessen werden sollte, ist dass der Tankstellenpreis wohl höher ist als der, die Kapitalbindung und der vorschriftsgemäße Tank selbst aber auch kosten.

Der Vortragende erinnerte abschließend daran, dass die „Richtwerte“ möglichst viele Gegebenheiten hinsichtlich fixer und variabler Kosten abbilden sollen und es immer Abweichungen gebe, die aber in ihrer Häufigkeit umso geringer würden, je weiter sie vom Mittelwert – und als solche verstehen sich die ÖKL-Richtwerte – entfernt sind. Ihre Plausibilität bestätigt auch der Vergleich mit den „Entschädigungsätzen“, wie sie in der Schweiz genannt werden.

Von der Sozialversicherung der Bauern anerkannt werden mittlerweile die sogenannten Pauschalrichtwerte, wonach eine Leistung, wie z.B. das Plügen „summarisch“ und nicht mehr einzeln zusammengesetzt aus Traktor und Pflug mit Zeitangabe dargelegt werden muss. Der Grundgedanke bei ihrer Erstellung war: ein großer Traktor mit ebensolchem Pflug kostet pro Stunde mehr, braucht aber weniger Zeit wie ein kleineres Gespann. Eine Ausnahme bilden verwinkelte Feldformen, die sinnvollerweise mit kleineren Maschinen bearbeitet werden; dafür können – genauso wie z.B. für verschleißträchige Einsätze – Zuschläge berechnet werden.

Den eigentlichen Abschluss dieses (ÖKL-)Teiles des Seminars stellte der Hinweis auf eine Seite in den Richtwerten dar, in welcher das BMLFUW auf die Verwendung von Pflanzenölen als Ersatz für Dieselkraftstoff verweist: Technisch gesehen gibt es dafür Normen, bei deren Einhaltung die Motorengarantie erhalten bleibt.

Einige praktische Übungen zur Berechnung von Maschinenkosten schlossen das Seminar ab.

P1060067Foto (ÖKL) DI Friedrich Stute vom Beratungsbüro Göttingen (li.) ist „weichender Erbe“ eines ldw. Betriebes bei Wolfsburg/D, rechts DI Donner vom ÖKL

 

Bericht von DI Gebhard Aschenbrenner, ÖKL